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The 50-Gun Ship: A Complete History with Other
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Der Pirat und die Dirne. Erotischer Piraten-Roman
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Im
Sommer 1801 wurde die britische Brigg-Sloop SYLPH (18) unter dem
Kommando von Commander Charles Dashwood in zwei intensive
Zweikämpfe verwickelt. Gegner war jeweils ein Schiff,
dessen Identität bzw. Nationalität bis heute
nicht endgültig
geklärt wurde. Dashwood selbst behauptete, er habe sowohl am
31.
Juli als auch am 28. September 1801 denselben Gegner
bekämpft,
nämlich die französische Fregatte ARTEMISE, 44
Kanonen. In beiden
Fällen hatte sich die SYLPH gegen den fraglichen Dreimaster
behaupten können. Doch wie plausibel ist die These, sie habe
es
dabei mit einer französischen Fregatte zu tun gehabt ? Und war
diese Fregatte wirklich die ARTEMISE ?
Um dem Leser zu
ermöglichen, meinen Argumenten direkt zu folgen, habe ich Extrakte der offiziellen Berichte von Commander Charles
Dashwood sowie Auszüge aus der NAVAL CHRONICLE von 1801 als Webseite bereitgestellt.
Die Fakten, wie sie sich in Dashwoods
Berichten darstellen, will ich aber noch einmal zusammenfassen:
Am
Abend des 31. Juli 1801 kreuzte die SYLPH (18 - Charles Dashwood) vor
Kap San Andero (Santander) an der nordspanischen Küste. Die
Brigg-Sloop unter Commander Charles Dashwood (1765-1847) verfolgte
gerade einen Schoner nordwestlich von ihr, als sich von Land her ein
großer Dreimaster näherte, nach Dashwoods
Beobachtungen eine
große Fregatte mit 15 Geschützpforten im
Artilleriedeck. Der
verfolgte Schoner wendete in Richtung auf dieses Schiff, das wiederum
auf die SYLPH zuhielt. Dashwood wollte sich nicht verjagen lassen und
drehte schließlich bei Sonnenuntergang bei, um den
vermutlichen
Feind zu erwarten. Das nahende Schiff reagierte weder auf
Flaggen- oder Lichtsignale noch auf Anruf. Auch enthüllte
keine
sichtbare Flagge seine Nationalität. Weil die sich nähernde Fregatte nicht reagierte,
eröffnete die Brigg gegen 23:00 das Feuer. Die Distanz zum
Gegner
betrug zu diesem Zeitpunkt eine halbe Kanonenschusslänge und
verringerte sich im Verlaufe des Gefechts bis auf eine Distanz, die in
den beiden o.g. Versionen von Dashwoods Bericht einmal als
Pistolenschussweite (ca. 30 Meter), einmal als Rufweite (within hail)
bezeichnet wird. Seite an Seite setzten die beiden Schiffe nun 80
Minuten lang das Feuergefecht fort, wobei der Brite
befürchtete,
der immer wieder leicht auf ihn zuhaltende Gegner könne ihn
entern. Dashwood ließ abhalten und beobachtete bald, dass der
Gegner ihm nicht mehr folgte. So ließ der britische
Kommandant die SYLPH
schließlich beidrehen, um ihre Schäden
notdürftig
reparieren zu lassen. Der Hauptmast war schwer angeschlagen,
sämtliche Segel waren durchschossen, viele Takel durchtrennt
und eine Karronade demontiert. Dazu kamen Lecks an der Wasserlinie, die
zu beträchtlichem Wassereinbruch führten. Das
britische Schiff wurde nicht verfolgt und
konnte in der Nacht die notwendigen Ausbesserungen
durchführen.
Einen Toten und 9 Verwundete hatte der Kampf von der SYLPH
gefordert. Am nächsten Morgen konnte Dashwood seinen
Kontrahenten in der Ferne ausmachen und erkennen, dass diesem im
Gefecht offenbar zumindest die Hauptrahe aufs Deck gefallen war. Das
Gefecht wurde nicht wieder aufgenommen.
Der
Gegner nahm
wieder Kurs auf Santander und Dashwood steuerte die SYLPH
zunächst
zurück zum Kanalgeschwader unter Admiral Cornwallis und danach
nach Plymouth, um die Brigg überholen zu lassen. Inzwischen
verdichteten sich Informationen, die britischen Brigg-Sloop habe die
französische Fregatte ARTEMISE, 44 Kanonen, bekämpft.
Ende
September kehrte die SYLPH auf ihren Posten vor der Nordküste
Spaniens zurück und traf am 28. September 1801 vor Kap Penas (englisch: Pinas. Vor Gijon gelegen) wiederum auf eine unbekannte Fregatte, diesmal mit gesetzter
französischer Flagge und bei Tageslicht. Dashwood ging davon
aus,
exakt die Fregatte vor sich zu haben, gegen die er Ende Juli gefochten
hatte. Die Ähnlichkeit zwischen beiden Schiffen ging
offensichtlich über Bauart, Größe und
Anzahl der
Geschützpforten hinaus. Angeblich suchte der britische
Commander
wiederum den Kampf. Die SYLPH versuchte zunächst, dem Gegner
die Luvposition abzugewinnen. Noch während beide Schiffe
versuchten, sich auszumanövrieren, begann um
19:30 das Gefecht. Dreimal
kreuzten die Kontrahenten nahe aneinander vorbei und tauschten
Breitseiten auf rund 30 Meter Distanz aus. Dann setzte sich die Brigg
als Siegerin um den Kampf der Luvstellung auf
Pistolenschußweite und in vorteilhafter Position an die Seite
des
Gegners und blieb dort für 2 Stunden und 5 Minuten, bis sie -
inzwischen in der Dunkelheit - mit geringeren, aber
ähnlichen Schäden in
der Rigg wie beim ersten Treffen von ihrem Gegner getrennt wurde,
angeblich, weil dieser wendete und die SYLPH dem Manöver nicht
folgen konnte. Als Bilanz des Duells hatte die SYLPH lediglich einen
Verwundeten.
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Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815 Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802 von Thomas Siebe Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010 Bei AMAZON bestellen Mehr Infos Beispiel-Seiten Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3 |
Soweit
also Dashwoods Berichte. Gegen wen hatte die SYLPH gekämpft ?
Die
Auszüge aus der NAVAL CHRONICLE zeigen, dass schon
während
des Aufenthalts der SYLPH beim Kanalgeschwader der Name einer
französischen Fregatte fiel : Die ARTEMISE, 44 Kanonen. Die
Quellen für diese Information waren offenbar neutrale Schiffe,
die französische oder spanische Häfen
anliefen und
später auf See bei Treffen mit britischen Schiffen
Informationen
austauschten. In den Wochen
nach dem ersten Gefecht verdichteten sich die Informationen
über
den Gegner der SYLPH. Demnach kehrte die vermeintliche ARTEMISE nach
dem Gefecht mit der britischen Sloop nach San Andero (Santander)
zurück, um ihre Schäden zu beheben. Als die SYLPH im
September auf ihren Posten vor der nordspanischen Küste
zurückkehrte, soll sich die ARTEMISE laut der CHRONICLE gerade
auf
den Weg nach Bordeaux gemacht haben. Trifft dies zu, handelt es sich
bei dem zweimaligen Treffen tatsächlich um keinen allzu
großen Zufall. Aus dieser Sicht ist es also nicht
unwahrscheinlich, dass die Sloop zweimal gegen denselben
Gegner gekämpft hatte.
Die Überlegenheit der Royal Navy basierte auf vielen Faktoren. Eine Basis für den Erfolg der Briten bestand zweifellos in ihrer überlegenen Artillerie. Dieses Buch vergleicht die englische Bewaffung mit der Ausstattung ihrer französischen, spanischen, dänischen, russischen und holländischen Opponenten. Wie auch immer, um die
Bewaffnung der ARTEMISE näher bestimmen zu können,
müßen wir auf
andere Informationen zurückgreifen:
von Peter N. Stearns
Ein Monumentalwerk der Geschichte, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Kaum ein Ereignis von Bedeutung, das man hier nicht findet - selbst wenn es weniger historisch, sondern z.B. eher gesellschaftlich war. Ergänzt um spezielle Perspektiven, z.B. um eine Geschichte der Frauen oder aussagekräftige Statistiken. Das Buch ist m.E. buchstäblich jeden Cent wert. Notwendiges Übel, um es noch transportieren zu können: Sehr kleine Schrift.
War es
beide Male dasselbe Schiff ? Offizielle zeitgenössische französische Quellen erwähnen laut William James keines der beiden Gefechte. Auch gibt es von dieser Seite keinen Anhaltspunkt für die Präsenz einer französischen Fregatte ARTEMISE vor der nordspanischen Küste.
Die Wahrscheinlichkeit, dass
sich die kleine Sloop gleich zweimal gegen einen vermeintlich weit
überlegenen Gegner behauptet hatte, wurde schon damals als
gering eingeschätzt. Einige Publikationen der damaligen Zeit
gingen denn auch davon aus, dass vor Kap Andero ein
großer Privatier
(Handels- und Kaperschiff) mit der SYLPH kämpfte. Als Indiz
für
diese Zuordnung wurde die Zurückhaltung der Fregatte,
Flagge zu zeigen, genannt. Tatsächlich aber
versuchten die Autoren mit
dieser These die Tatsache zu erklären, dass es der Sloop
gelungen
war, sich 80 Minuten direkt neben einem Dreimaster mit dem Aussehen
einer 18-Pfünder-Fregatte zu halten.
Die
Zweifel, die schon damals an Dashwoods Beobachtung, er
bekämpfe
eine große Kriegsfregatte, aufkamen, bezogen sich
schließlich weniger auf den Zufall einer zweifachen Begegnung
als
vielmehr auf den eklatanten Unterschied in
Größe und Bewaffnung zwischen
den beiden Kontrahenten. Ein Vergleich der beiden Schiffe soll dies
nachvollziehbar machen.
Die
SYLPH wurde auf der Werft von Deptford Green gebaut und lief
am
3. September 1795 vom Stapel (Abgewrackt April 1811). Ihr Rumpf bestand
aus Tannenholz, sie hatte zwei Masten und war als Brigg getakelt.
Über ihre Maße konnte ich wenig in Erfahrung
bringen.
Jedenfalls gehörte sie zu den größeren
Briggs der Royal
Navy und dürfte ungefähr die Maße der
CRUIZER-Klasse
gehabt haben, d.h. um die 380 Tonnen, mit einer Deckslänge von
rund 30 Metern und einer größten Breite von rund 9
Metern.
Zum Zeitpunkt der hier zu erörternden Gefechte hatte sie 90
bzw.
96 Mann Crew an Bord. Bewaffnet war die Sloop 1801 mit 16
Zweiunddreissigpfünder-Karronaden und zwei
Sechspfünder-Jagdgeschützen. Auf kurze Distanz
mangelte es
dem Zweimaster also durchaus nicht an Feuerkraft.
Die
ARTEMISE dagegen ist geheimnisumwittert. Weder vor den Gefechten
1801 noch danach hat dieses Schiff irgendwelche Spuren in den
Seekriegen dieser Zeit hinterlassen. Laut dem Historiker William James
findet sie sich auch in keiner französischen Schiffsliste, die
ihm
zugänglich war. Erst am 16. August 1808 taucht ihr
Name in
britischen Berichten wieder auf. An diesem Tag wurde
laut britischer Quellen vor Brest eine französische
Fregatte
mit dem Namen ARTEMISE durch Seeleute von der britischen Fregatte
MINERVA (32 - R. Hawkins) vernichtet. Tatsächlich versuchte
Mitte
August 1808 die französische Flotte aus Brest zu entkommen und
wurde von den Briten unter Duckworth entdeckt. Auf dem Rückzug
der
Franzosen in den Hafen lief eine ihrer Fregatten auf (16. August 1808)
und wurde, wie erwähnt, durch britische Seeleute in Brand
gesteckt
(THE NATIONAL REGISTER 1808, S. 559) . Der Name und die
Größe dieser Fregatte wird in der o.g. Zeitungsnotiz
aber
nicht genannt. Handelte es sich bei dem Havaristen wirklich um
die ARTEMISE, die laut William James
in keiner französischen Liste zu finden war, aber doch vor der
nordspanischen Küste kämpfte ? Oder war das Schiff
von 1808 vielleicht schon eine
Nachfolgerin ?
Napoleonic Naval Armaments 1792-1815
(New Vanguard)
von Chris Henry, Brian Delf (Illustrationen)
Sprache:
Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey -
Erscheinungsdatum: Mai 2004
Dashwood sah
eine
große Fregatte mit 15 Geschützpforten bzw. 44 bis 46
Kanonen. William James behauptet, dass die Franzosen nach
1798 aufgehört hatten, 12-Pfünder-Fregatten zu bauen
und sich
nur noch auf die schweren Fregatten mit 18-Pfündern
konzentrierten. Weil aber die letzte bekannte ARTEMISE 1798 bei Abukir
vernichtet wurde, habe ihre Nachfolgerin eine große Fregatte
mit
entsprechender Armierung sein müssen. Demnach habe die SYLPH
einer
18-Pfünder-Fregatte mit 350 Mann Besatzung und mit mindestens 1100 Tonnen
gegenübergestanden. Die Konsequenzen dieser Annahme werden
aber in
einem weiteren Vergleich deutlich:
Ich
behaupte an dieser Stelle, alle Erfahrungen mit anderen Gefechten in
Rechnung stellend, dass die SYLPH sich in einem solchen Duell nie und
nimmer für 80 Minuten geschweige denn für 125 Minuten
an der
Seite einer derartig bewaffneten ARTEMISE hätte halten
können, selbst wenn die französischen Kanoniere
grottenschlecht geschossen hätten. Die Gesamtverlustquote der
Brigg passt nicht zu einem
insgesamt über dreistündigen Beschuss mit
Achtzehnpfündern. Die erlittenen Schäden am Schiff
konterkarieren die Vorstellung, die Sloop sei auf
Pistolenschußweite von Achtzehnpfündergeschossen
getroffen
worden. Dies
gilt m.E. auch,
wenn man Dashwoods Manöver im zweiten Treffen
berücksichtigt.
Im Bericht zum zweiten Gefecht schildert der britische Kommandant, dass
es ihm mit der SYLPH gelungen war, eine besonders vorteilhafte Position
gegenüber seinem Gegner einzunehmen und diese zu halten. Auf
der Luvseite der Fregatte konnte Dashwood die Brigg neben den
Bug
des längeren und größeren Schiffes setzen,
weil die
SYLPH dem Gegner Wind nahm und so schneller war. Das
französische
Schiff konnte so nicht ihre gesamte Breitseite auf das Ziel
richten.
Nur die vorderen 18-Pfünder wären dann zum Tragen
gekommen.
Bei einem zweistündigen Beschuss dieser Kanonen
müßte
die Schießleistung der Franzosen aber
äußerst
erbärmlich gewesen sein.
Bezüglich
des ersten
Gefechtes jedoch dokumentiert ein Offizier der SYLPH in der NAVAL
CHRONICLE immerhin 58 Treffer im Rumpf der Brigg. Der
größte Teil davon müßte,
ausgehend von ihrer Position auf Höhe der Brigg, mit den
schweren Geschützen erzielt worden sein. Ausgehend von
18-Pfündern müßte man sich wundern, dass
das Schiff danach noch in einem Stück war. Auch die
Splitterwirkung wäre entsprechend größer
gewesen. Damit sind die Kugeln,
die über das Deck der SYLPH flogen oder die mindestens 122
Treffer
in die Rigg, die zu herabfallenden Objekten führten, noch gar
nicht erfasst. Das Feuer durch die obligatorische(n)
36-Pfünder-Karronade(n), Traubengeschosse aus den
Achtpfündern
oder gar Kartätschen müßte man noch
berücksichtigen.
Trotzdem wurden lediglich 9 Briten verletzt und nur einer
getötet, in Summe eine Verlustquote von 10% unter der Crew (exklusive Offiziere).
Dashwood
spricht in seinem Bericht von mehreren Treffern in der Wasserlinie.
Wenn diese von 18-Pfündern stammten, passt dies zu dem vergleichsweise moderaten
Wassereinbruch, den die SYLPH zu verzeichnen hatte ? Konnte die SYLPH
wirklich mit einer 18-Pfünder-Fregatte gekämpft haben
?
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Diese
Bedenken hatten vermutlich schon Kenner des Metiers zu Dashwoods
Zeiten. Die britische Admiralität, namentlich Admiral Earl St.
Vincent, blieb auffallend vorsichtig und zurückhaltend in der
Bewertung des ersten Gefechtes der SYLPH. Auch aus den Worten des
viktorianischen Historikers William James klingt Skepsis. Zwischen den
Zeilen kann man herauslesen, dass er Dashwoods Bericht nicht traut.
Trotzdem
wurde Dashwood schließlich doch wegen des Gefechtes gegen
eine
französische Fregatte mit Namen ARTEMISE zum Kapitän
befördert. Ganz offensichtlich haben sich die Briten
damals von der Existenz dieses Schiffes überzeugt und
gingen
davon aus, dass die SYLPH im zweiten Gefecht dieser Fregatte
gegenüberstand. Für das erste Gefecht galt damals
vermutlich bereits
die Version eines spanischen oder französischen Privatiers.
Artilleristisch schwer bewaffnete Privatiers waren zwar selten, doch
ähnlich der großen spanischen Privatier-Brigg
CANTARA (22),
die am 27. Juli 1801 vor Kap Ortegal von der CONSTANCE (24 –
Zachary Mudge) und der STORK (18 – W. Parker) erobert wurde
und
laut Bericht von Zachary Mudge 18 Achtzehnpfünder (!) und 4
Sechspfünder trug, hätte die SYLPH auch auf einen
Dreimaster
ähnlicher Stärke treffen können. Dieser, so
muß damals die Vorstellung gewesen sein, wäre
lediglich mit 12-Pfündern und / oder 8-Pfündern
armiert gewesen. Dieses Geschosskaliber ist tatsächlicher viel
eher konsistent mit den beschriebenen Schäden der SYLPH.
Im
Fall des
zweiten Gefechts hätte es ebenfalls eine gute
Erklärung
für die minimale Verlustquote der Briten geben
können, ohne
das Dashwood sein beschriebenes Manöver exzessiv
hätte
durchhalten müßen: Die ARTEMISE segelte vor Kap
Penas en
flute. Die Fregatte hatte demgemäß ihre schweren
Kanonen tief im Bauch des
Schiffes verstaut, um Platz für eine Ladung zu machen. In
diesem
Fall wären den Franzosen nur noch die Decksgeschütze
geblieben, also zwei bis vier 36-Pfünder-Karronaden und 10 bis
14
Achtpfünder-Kanonen. Eine derartig reduzierte
französische
Breitseite würde den relativ guten Zustand der SYLPH nach dem
125
Minuten andauernden Gefecht Seite an Seite erklären.
Auch
der Ort des Geschehens spricht durchaus für eine en flute
segelnde französische Fregatte:
Anfang
1801 begann das mit Frankreich verbündete Spanien Portugal
unter
Druck zu setzen, indem es Truppen, darunter auch einen
französischer Hilfskorps, an der Grenze zum Nachbarland
konzentrierte. Am 6. Juni 1801 hatte diese brachiale Form der
Diplomatie Erfolg. Im Vertrag von Badajoz sicherte Portugal Spanien
u.a. die Schließung seiner Häfen für
britische Schiffe
zu. Die französischen Truppen konnten also wieder abgezogen
werden, um an anderen Brennpunkten zum Einsatz zu kommen. Genau dieser
Mission konnte möglicherweise die Fahrt der ARTEMISE gedient
haben. Ende Juli steuerte sie vielleicht die nordspanische
Küste
an, um Truppen, Kanonen und / oder auch Ausrüstung an Bord zu
nehmen. Um die Ladung zu verstauen, war es ein übliches
Verfahren,
auch das Artilleriedeck von Kanonen zu befreien, um mehr Platz zu
haben. Weil die leeren Geschützpforten aussahen wie die
Löcher einer Flöte, nannte man das en flute. Die
SYLPH
erwischte die ARTEMISE möglicherweise auf ihrer
Rückreise
nach Frankreich genau in diesem Zustand.
Die
Privatier-Version und die en flute-Version passen aber an einer Stelle
nicht zusammen: Dashwood war sich recht sicher, in beiden
Gefechten demselben Gegner gegenüber gestanden zu haben. Und
im zweiten Fall stieß er vor Kap Penas zweifelsfrei auf eine
französische Fregatte. Solange
die 18-Pfünder-Kanonen im Spiel sind, wird die Geschichte, die
Dashwoods Berichte erzählen, unglaubwürdig. Aber der
Commander wurde am Ende doch zum Kapitän befördert,
eine Maßnahme, die die Admiralität sicher keinem
Mann hätte zukommen lassen, der seine Berichte
geschönt hatte.
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Und
tatsächlich gibt es eine relativ einfache Auflösung
des Rätsels:
Dashwood
selbst hat in
seinen Berichten lediglich von einer großen Fregatte
gesprochen, über
das Kaliber ihrer Kanonen hat er sich freilich nicht ausgelassen. Geht
man einmal davon aus, dass
die ARTEMISE keine 18-Pfünder, sondern 12-Pfünder-Kanonen im
Artilleriedeck getragen
hat, dann lassen sich die Schäden und Verluste des
ersten und zweiten
Gefechts sowie Dashwoods Beobachtungen in Einklang
bringen. 58 Treffer in den Rumpf einer 380-Tonnen-Brigg, verursacht
durch Zwölfpfünder, sind realistisch. Auch die
insgesamt rund 180 dokumentierten Treffer nach 80 Minuten Gefecht vor
Kap Andero lassen sich von den Ladezeiten realistischer mit 8- und
12-Pfündern erreichen als mit 18-Pfündern und dem
kleineren Kaliber. Der geschilderte Wassereinbruch durch Treffer in der
Wasserlinie der Brigg entspricht den Erwartungen. Außerdem
bin ich der Überzeugung, dass Dashwood das zweite Gefecht nie
und nimmer angenommen hätte, wenn er nach seinem ersten
Gefecht 18-Pfünder-Kugeln im Holz seiner Brigg gefunden
hätte. Das wäre gewesen, als würde er nach
einem Sechser im Lotto ein zweites Mal auf den Haupttreffer hoffen.
Dies
also muß des Rätsels Lösung sein:
Die ARTEMISE war offensichtlich eine
große Zwölfpfünder-Fregatte, die vielleicht
in oben bereits genanntem Auftrag
unterwegs war. Beim ersten Gefecht hatte sie die
Zwölfpfünder
aufgestellt, in den zweiten Kampf segelte sie vielleicht en
flute, vielleicht auch nicht - in beiden Fällen hätte
das von Dashwood beschriebene Gefecht so ablaufen
können.
Was aber ist mit William James
Behauptung, Frankreich habe nach 1798 nur noch
18-Pfünder-Fregatten
gebaut ?
Die ARTEMISE hätte durchaus auch ein
älteres Schiff
sein können, reaktiviert, um sie in der Biskaya zwischen
Frankreich und dem Verbündeten Spanien einzusetzen.
Möglicherweise war sie sogar eine ehemalige venezianische
Fregatte, 1797 oder 1798 im Mittelmeer erobert und dann später
in französische Dienste
übernommen. Dies könnte auch erklären, warum
der Name ARTEMISE nicht in den Listen auftauchte, die James
wälzte, und warum man später nichts mehr von ihr
hörte. Wahrscheinlich wurde das Schiff nach seiner
Rückkehr nach Frankreich abgewrackt. Denn es ist eher
unwahrscheinlich, dass die 1808 aufgelaufene Fregatte identisch mit der
1801 gegen die SYLPH kämpfende ARTEMISE war.
Das Schicksal des Kapitäns der
ARTEMISE bleibt noch zu klären. Nach Dashwoods
Informationen bzw. dem Bericht in der CHRONICLE wurde er nach dem
ersten Gefecht des Kommandos enthoben. Laut John Marshall (Royal Navy Biography - siehe hier und unten ) stellte man ihn
sogar vor ein Kriegsgericht und dann an die Wand. Marshalls Quellen
sind freilich obskur. Auch William James konnte in
französischen Publikationen weder etwas über das
Urteil noch die Hinrichtung geschweige denn den Namen des Mannes etwas
finden. Warum der Kapitän des ersten Gefechts das genannte
Schicksal hätte erleiden sollen, während der
französische Kommandant des zweiten Treffens offenbar
ungeschoren blieb, wäre ohnehin schwer zu erklären.
Commander
Charles Dashwood wurde im November 1801, wie bereits erwähnt,
wegen seines Einsatzes im Gefecht gegen die ARTEMISE, zum
Kapitän befördert. Er brachte es in der Royal Navy
noch bis zum Vizeadmiral (1847).
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SEESCHLACHT.TK - Das Buch
Napoleons gefallene Göttinnen |
Royal Navy Biography von John Marshall London 1931 |
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