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Lejeune - Vol.1: The Napoleonic Wars Through the Experiences of an Officer of Berthier's Staff:
von Louis-Francois Lejeune Sprache: Englisch Taschenbuch - 292 Seiten - Verlag: Leonaur Ltd. - Erscheinungsdatum: März 2007 Band 1 der Memoiren des Barons Lejeune, eines Multitalents der napoleonischen Ära. Als Soldat, Künstler, Ingenieur, Erfinder, Schriftsteller und Höfling Napoleons durchlebte und beschrieb Lejeune eine ansonsten faszinierende, auf den Schlachtfelder aber unvergleichlich blutige Zeit. |
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Im Frühjahr 1807 belagerte eine französische Armee die westpreußische Stadt Danzig (Gdansk), die von preußischen und russischen Truppen verteidigt wurde. Von See her wurden die Verteidiger durch eine Flotille britischer Schiffe unterstützt, die in erster Linie Nachschub bringen bzw. französischen Nachschub über See unterbinden sollte, im Verlaufe des sich zuspitzenden Kampfes aber mehr und mehr in die direkte Verteidigung der Stadt involviert wurde. In diesem Kontext kam es in der Mündung der Weichsel gleich zweimal zu dem höchst seltenen Duell zwischen Infanterie und Schiffsartillerie.
Im vierten Koalitionskrieg stand das kaiserliche Frankreich Preußen, Rußland, Schweden und England gegenüber. Die nach Norden und Osten vorrückenden Armeen Kaiser Napoleons mußten die 60000 Einwohner große Hafenstadt und Festung Danzig in ihrer linken Flanke nehmen, um den Feldzug erfolgreich zu gestalten.
Am 19. Februar 1807 bekam Marschall François Joseph Lefebvre (1755 - 1820) von Napoleon den Auftrag zur Belagerung der strategisch wichtigen Stadt. Am 19. März 1807 begann der Marschall mit rund 27000 Mann die Stadt zu umzingeln.
Verteidigt wurde Danzig von rund 11000 Mann preußischer und russischer Truppen unter Generalleutnant Friedrich Adolf Graf von Kalckreuth (1737-1818). Die Verteidiger hatten rund 300 Geschütze zur Verfügung.
Die gut ausgebaute Festung Danzig konnte allerdings nur von ihrer Westseite her genommen werden , weil die Stadt bzw. der Hafen in anderen Himmelsrichtungen entweder durch den Fluß Weichsel oder durch unpassierbares Sumpfland gedeckt wurde. Der Norden mit der Weichselmündung war jedoch von strategisch großem Wert, so das bereits am 20. März 1807 General Schramm mit 2000 Franzosen und Sachsen eine Position nördlich des Weichselbogens, vor den Toren der Festung Weichselmünde bezog.
Am 23. März 1807 eröffneten französische Batterien das Feuer, jedoch noch ohne die schweren 24-Pfünder-Kanonen der Belagerungsartillerie.
Diese standen Lefebvre erst ab dem 21. April 1807 zur Verfügung.
Den preußisch-russischen Verteidigern dagegen kam am 12. April 1807 einen Flotille englischer Schiffe, angeführt von der Sloop SALLY (16) unter dem Kommando von Commander Edward Chetham (1775 - 1862), zur Hilfe. Während die beiden anderen Schiffe des kleinen Geschwaders, die Sloop FALCON (14 - George Sanders) und die Brigg CHARLES (10 - Robert Clephane), in der Danziger Bucht kreuzten, um eventuellen Nachschub für die französischen Belagerer zu unterbinden, ankerte die SALLY am 16. April in der Mündung der Weichsel und in der Höhe der Festung Weichselmünde. Dort wurden ihre 24-Pfünder-Karronaden 1 zu einer schwimmenden Batterie, die im Falle eines französischen Angriffs auf Weichselmünde in der Flanke der Truppen des Generals Schramm gestanden hätte.
Die Präsenz der englischen Schiffe führte jedoch auch dazu, dass die Franzosen umgehend die bis dahin noch intakte Verbindung zwischen Danzig und Weichselmünde unterbrachen, indem sie mehrere Sperren über den Fluß legten und auf der Holmen-Insel Artillerie in Stellung brachten. Damit schlossen sie auch das letzte Versorgungs-Nadelöhr für die belagerte Stadt.
Commander Chetham schätzte die postierte Artillerie jedoch als zu schwach ein, um gegen seine Sloop zu bestehen und startete am frühen Morgen des 17. April einen Versuch, mit der SALLY den Weg über den Fluß wieder zu öffnen und nach Danzig durchzubrechen. Zu diesem Zweck ließ er jegliche überflüssige Ladung der Sloop auf Flößen deponieren, um den Tiefgang seines Schiffes zu verringern. Saunders und seine Offiziere von der FALCON unterstützten Chethams Vorstoß als Freiwillige an Bord der SALLY.
Die erleichterte Sloop stieß flußaufwärts vor, bis sie gegen 6:30 an der Spitze der Holmen-Insel auf die erste Sperre und den heftigen Widerstand der Franzosen traf. Bezüglich der feindlichen Artillerie sollte Chethams recht behalten, lediglich eine Handvoll leichterer Feldgeschütze bestrich den Fluß. Mit zunehmender Dauer des Feuergefechts aber nahm die Anzahl der französischen Infanteristen zu beiden Seiten der Weichsel zu. Es waren dann auch weniger die drei kleineren Kanonen der Batterie auf der Holmen-Insel, sondern hunderte von Musketenkugeln, die die SALLY schließlich in arge Bedrängnis brachten. Der leicht umschlagende Wind und die Strömung der Weichsel machten es schwierig, weiter vorzustoßen und die Breitseite wirkungsvoller zur Geltung zu bringen. Die Karronaden der SALLY erwiesen sich trotz der Verwendung von Kartätschen und Traubengeschossen als ungeeignet zur Bekämpfung der die Ufer säumenden Scharfschützen. Offenbar fanden die französischen Soldaten durch die in Ufernähe stehenden Ruinen vereinzelter Häuser auch gute Deckung.
An Deck der SALLY konnten sich die Seeleute wegen des Kugelhagels bald auch nicht länger aufhalten, so das Chetham gegen 9:00 den Rückzug befehlen mußte. Angeblich war zu diesem Zeitpunkt "annähernd die Hälfte" der Crew verwundet, jedenfalls aber hingen Segel und Tauwerk in Fetzen, was angesichts des Beschusses durch tausende von Musketenkugeln und die Artillerie nicht verwundert. Die verletzten Besatzungsmitglieder dürften aber mehrheitlich durch herabfallende Teile der Rigg oder Splitter verletzt worden sein, denn über Gefallene bzw. nachträglich verstorbene Verwundete ist nichts bekannt. Verwundungen durch die damals gebräuchlichen Gewehrkugeln waren aber in der Regel verheerend.
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Commander Chethams Behauptungen, die Franzosen hätten anläßlich dieses Gefechtes bis zu 400 Mann verloren, muß man ebenfalls als weit übertrieben bezeichnen, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, daß die Franzosen nach der Belagerung Danzigs die Gesamtzahl ihrer Toten mit 400 Mann bezifferten.
Am Ankerplatz der SALLY schälte die Crew dann mehr als 1000 Musketenkugeln aus dem Rumpf der Sloop. Es war dies das erste mir bekannte Duell zwischen einem Segelkriegsschiff und Infanterie an Land.
Der Fehlschlag der SALLY wurde natürlich nicht allein durch die Salven der Infanteristen herbeigeführt, sondern hatte seine wesentliche Ursache eher in den navigatorischen und seemännischen Problemen, die der Fluß den Engländern bereitet hatte. Diese Hindernisse waren aber schon allein durch den Kugelhagel, der die Seeleute in Deckung zwang, nicht zu bewältigen gewesen.
Wie bereits oben erwähnt, begann am 21. April 1807 der Beschuss Danzigs durch schwere französische Belagerungsartillerie. Am 29. April 1807 scheiterte ein erster Sturmversuch durch Lefebvres Truppen, doch die Lage Danzigs spitzte sich danach trotzdem zu, besonders die Pulvervorräte schmolzen dahin.
Preußen, Russen, Engländer und Schweden planten indessen, den Kontakt zur abgeschnittenen Stadt wiederherzustellen und einen Keil zwischen die Hauptarmee und die Truppen des General Schramm zu treiben. Zu diesem Zweck sollten 8000 Mann russischer Truppen in 57 Transportfähren, eskortiert von einem schwedischen Linienschiff und der FALCON, nach Weichselmünde gebracht werden.
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Waterloo 1815 Meilenstein europäischer Geschichte
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Quellen: Lejeune (s.o.), Clowes (s.u.), James (s.u.)
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The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900 von William Laird Clowes Sprache: Englisch Taschenbuch (Reprint) - 640 Seiten Erschienen bei Chatham Publishing - Erscheinungsdatum: 1. November 1996 |
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The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
von William James, Andrew Lambert Sprache: Englisch Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books Erscheinungsdatum: März 2003 |
Fußnote 1: = Karronaden waren kurzläufige, relativ leichte Kanonen mit geringer Reichweite, aber großer Durchschlagskraft. Sie waren eigens für das Duell Schiff gegen Schiff konzipiert worden, deswegen waren sie für den Beschuss von Landzielen bei Distanzen über 100 Meter wenig geeignet.
Fußnote 2: = Englische Quellen schätzten die Verluste bei diesem Angriff auf 1600 Mann. Die Franzosen sprachen dagegen von 3000 ausgefallenen Russen.