|
Segel und Kanonen: Die europäische Expansion zu See
|
|
Frankreichs Seekriege gegen England 1793-1815
|
* 27. Juli 1771 in Honfleur, Frankreich † 26. Mai 1852 in Honfleur
Leonard-Bernard Motard wurde am 27. Juli 1771 als Sohn des Kapitäns Francois-Paul-Pierre Motard (29. Juni 1733 bis 23. Juli 1793) und dessen Frau Madeleine in Honfleur geboren. Schon Motards Großvater war in der französischen Marine gewesen, sein Vater Pierre Motard kämpfte im Siebenjährigen Krieg, im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und wurde 1792 noch Kapitän der Fregatte BRILLIANT, bevor er sich 1793 zurückzog.
Leonard-Bernard Motard meldete sich 1786 als Freiwilliger zur Königlichen Marine. Infolge der französischen Revolution machte der junge Seemann eine schnelle Karriere: 1791 wurde er Fähnrich und bereits 1793 wurde er zum Leutnant befördert, weil die französische Revolution große Löcher in die Personaldecke der französischen Marine gerissen hatte. Ab 1794 diente Motard bei der Flotte in Toulon. 1797 - inzwischen zum Fregattenkapitän aufgestiegen - war er im Stab von Vizeadmiral Brueys und war so einer der vielen Organisatoren der Ägypten-Expedition von General Napoleon Bonaparte .
In der Schlacht von Abukir am 1. August 1798 wurde Motard schwer verwundet, kam aber so noch rechtzeitig von Bord des französischen Flaggschiffes L'ORIENT (120 - Casabianca), bevor dieses in einer einzigen, großen Explosion auseinandergerissen wurde. Dafür geriet der Stabsoffizier in englische Gefangenschaft, wurde nach Neapel gebracht und durfte auf Ehrenwort nach Frankreich zurückkehren.
Später wurde Motard dann auch formell gegen englische Kriegsgefangene ausgetauscht.
Bis Ende 1799 erholte sich Motard in Honfleur von seinen Verletzungen, um dann im Stab von Konteradmiral Ganteaume Einsätze im Mittelmeer und in der Karibik (Saint Domingue bzw. Haiti) zu erleben.
1803 wurde Motard zum Kapitän zu See befördert und bekam das Kommando über die Fregatte SEMILLANTE (36), die im Geschwader von Konteradmiral Linois nach Ostindien aufbrach.
Dort nahm er mit seinem Schiff am 15. Februar 1804 an der wenig ruhmreichen Ostindienfahrerschlacht von Pulo Aor teil und war auch am 15. September 1804
an Linois erfolglosem Angriff auf die englische CENTURION (50 - James Lind) beteiligt.
Dafür setzte sich Motard, mit "seiner" SEMILLANTE (36) auf wichtiger Mission im Pazifik, am 2. August 1805 vor St. Jacinta (Philippinen) erfolgreich gegen eine englische Übermacht, bestehend aus der englischen Fregatte PHAETON (38 - John Wood) und der Sloop HARRIER (18 - Edward Ratsey), zur Wehr.
Von der Ile de France (Mauritius) aus führte der Kapitän mit seinem Schiff in den folgenden Jahren einen erfolgreichen Kreuzerkrieg gegen den englischen Seehandel im Indischen Ozean und machte die SEMILLANTE zu einem der gefürchtetsten französischen Kaperschiffe der Welt.
|
Der getauschte Tod | ![]() |
Versuche, die SEMILLANTE zu stellen, wie am 11. November 1806 vor Reunion von dem englischen Linienschiff SCEPTRE (74 - Joseph Bingham ) und der großen Fregatte CORNWALLIS (44 - Charles James Johnston), scheiterten an der Kaltblütigkeit des französischen Kommandanten. Motard und sein Schiff wurden zu einer maritimen Legende des Indischen Ozeans.
Die vielen Kämpfe und der langjährige Einsatz des Schiffes forderten aber schließlich ihren Tribut und während eines 5 Tage währenden Jagdgefecht gegen die englische TERPSICHORE (32 - William Augustus Montagu) im März 1808 wurde Motard lebensgefährlich verwundet. Auch die bereits werftbedürftige SEMILLANTE wurde während des Kampfes so schwer beschädigt, das man sie später auf der Ile de France (Mauritius) ausmusterte.
Motard kehrte im Februar 1809, nach über sechs Jahren, nach Frankreich zurück, durch seine zahlreichen Prisen ein reicher Mann, wegen seiner militärischen Erfolge zum Kommandanten der Ehrenlegion (Dezember 1809) ernannt und schließlich im November 1810 sogar zum Baron des Kaiserreichs gemacht.
Zwei Jahre lang erholte sich der erfolgreiche Seeoffizier. Am 4. Januar 1811 wurde Motard dann Direktor einer Marineschule in Toulon.
Bald darauf wurde er zum Colonel-Major der Kaiserlichen Marinegarde befördert. In dieser Funktion reiste er 1812 nach Deutschland, um an Napoleons Feldzug gegen Rußland teilzunehmen. Dort erkrankte Motard jedoch und mußte nach Frankreich zurückkehren.
1814 zog er sich aus dem aktiven Dienst zurück und wurde als Konteradmiral pensioniert.
Konteradmiral Leonard-Bernard Motard starb am 26. Mai 1852 in Honfleur
|
![]() |
|
![]() |
|
|
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815 Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802 von Thomas Siebe Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010 Bei AMAZON bestellen Mehr Infos Beispiel-Seiten Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3 |
Copyright © 2008 by T. Coladores & Pellewserbe