Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erscheinungsdatum: September 2010
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The Trafalgar Companion: A Guide to History's Most Famous Sea Battle and the Life of Admiral Lord Nelson

The Trafalgar Companion:
A Guide to History's Most Famous Sea Battle
and the Life of Admiral Lord Nelson

von Mark Adkin
Sprache: Englisch
Gebunden - 448 Seiten - AURUM PRESS
Erschienen Juni 2005

Victory vs Redoutable: Ships of the line at Trafalgar 1805 (Duel) von Gregory Fremont-Barnes, Taschenbuch Osprey-Publishing, 80 Seiten, Englisch, Mai 2008


 Lord Nelson Kurzbiographie
Admiral Lord Nelson

Mythos Trafalgar

von Thomas Siebe © 2003

www.siebe.tk & www.schachcookie.tk

 Admiral Villeneuve Kurzbiographie
Admiral Villeneuve


Am 21. Oktober 1805 gegen 12:00 am Mittag treffen vor Kap Trafalgar zwei starke Flottenverbände aufeinander:
27 britische Linienschiffe und 4 Fregatten unter Nelson begegnen einem französisch-spanischem Verband von 33 Linienschiffen und 5 Fregatten unter Villeneuve. Rund 20000 britische Seeleute stehen rund 30000 Franzosen und Spaniern gegenüber, auf die 2312 Kanonen gerichtet werden. Die Briten sehen sich den Mäulern von 2854 Geschützen gegenüber. Damit bahnt sich die letzte große Seeschlacht dieser Ära an.

 Die Kapitäne von Trafalgar - Biografien

Mit der französisch-spanischen Niederlage in dieser Schlacht werden die englischen Invasionspläne des Napoleon Bonaparte endgültig scheitern. Der englische Seeheld Admiral Lord Nelson wird vor Kap Trafalgar fallen, die Niederlage wird am Ende wahrscheinlich auch seinem Gegner, dem französischen Admiral Villeneuve, zum Verhängnis.
Weit über 5000 Seeleute werden sterben, die meisten von ihnen erst nach Tagen infolge schwerer Verletzungen oder infolge des Sturmes, der auf die Schlacht folgt.
In England werden die Menschen erleichtert von den Sorgen um eine französische Invasion und voller Trauer um ihr Idol Nelson sein, in Frankreich wird Napoleon Bonaparte, seit 1804 Kaiser der Franzosen, seine Invasionsarmee vom Kanal abziehen und - eine Ironie der Geschichte - wenige Wochen später bei Austerlitz einen seiner größten Siege erringen. Die Ironie liegt in der Erkenntnis, daß dem französischem Kaiser vor Austerlitz bereits klar sein mußte, daß durch die französisch-spanische Niederlage vor Trafalgar das britische Empire auf mindestens ein Jahrzehnt endgültig dem direkten Zugriff des Korsen entzogen wurde.

Viele - falsche - Assoziationen und Vorstellungen sind mit dem Namen Trafalgar verknüpft und der Schlacht selbst wurde dabei - insbesondere in England - eine substantielle Bedeutung zugeschrieben, die sie tatsächlich nicht mehr hatte. Trafalgar war zwar immerhin der Punkt in dem Satz: "Napoleon wird England nicht erobern." Am Vorabend des 21. Oktober 1805 jedoch war eine mögliche Invasion der englischen Insel bereits wieder in weite Ferne gerückt. Und obwohl die berühmte Seeschlacht schon damals verhältnismäßig lückenlos dokumentiert wurde, birgt sie selbst und vor allem ihr Kontext noch immer einige Rätsel.

INHALT

1 - Der Plan Napoleons 2 - Eine folgenreiche Beförderung 3 - Die Jagd über den Atlantik 4 - Verpasste Möglichkeiten ?
5 - Calder´s halbe Seeschlacht vor Kap Finisterre 6 - Patt auf See 7 - Zwischenspiel an Spaniens Küsten 8 - Nelson´s Heimkehr, Villeneuves Belagerung
9 - Flucht nach vorn 10 - Nelson´s Plan 11 - Das Vorspiel zur Schlacht 12 - Ergänzende Informationen zur Schlacht
13 - Die Schlacht + Abbildung - Kräfteverhältnisse der Flotten 14 - Nach der Schlacht Abbildungen - Schlachtordnung und Trafalgar 12:00 Anhang - Kurzbiographien Lord Nelson und Admiral Villeneuve

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Der Plan Napoleons

Der ehemalige kleine General Napoleon Bonaparte war 1804 in einer sagenhaften Karriere bis zum Kaiser der Franzosen aufgestiegen. Das kaiserliche Frankreich begann seine Hände nach weltumspannender Hegemonie auszustrecken und bedrohte damit das englische Empire.
Schon seit Beginn der Koalitionskriege 1793 war England einer der Hauptgegner des revolutionären Frankreich gewesen. Mit dem universalen Machtanspruch des Kaisertitels hatte Napoleon ein Zeichen gesetzt, daß spätestens jetzt das britische Empire zum unversöhnlichen Feind des kaiserlichen Frankreich machte.

Der Kaiser entwarf 1804 einen Plan für die Invasion der englischen Insel, dessen Vorbereitungen auf der englischen Insel kaum verborgen bleiben konnten. Zu diesem Zweck ließ Napoleon nämlich an der Kanal- und Atlantikküste tausende von Truppentransportern - Prähme mit flachem Boden - bauen. Zudem wurden am Kanal Truppen in einer Stärke von ca. 160000 Mann zusammengezogen. Um aber auf die Insel übersetzen zu können, benötigte der französische Kaiser die Deckung seiner Landungsflotte durch Kriegsschiffe bzw. zumindest für "drei Tage" die maritime Herrschaft über den Kanal.

Das Problem Napoleons war jedoch die britische Seeblockade der französischen (und später spanischen) Kriegshäfen, die eine Kräftekonzentration seiner Seestreitkräfte schwierig machte. Zudem verlor eine Kriegsmarine, die in Häfen festsaß, jeden Tag an Kampfkraft.
Nach der schweren französischen Niederlage vor Aboukir ( Abukir ) 1798 hatte die englische Seeherrschaft selbst während des Experimentalfriedens von Amiens 1801 - 1803 den Würgegriff um die französische Flotte nicht gelockert. Nach der erneuten Kriegserklärung 1803 konnten die Engländer damit umgehend die für die Kampfkraft französischer Schiffe verheerende Blockade der Häfen wieder aufnehmen.

Angesichts der drückenden britischen Überlegenheit zur See verfiel der französische Kaiser auf folgenden strategischen Plan:

Alle im Mittelmeer und an der Atlantikküste blockierten französischen (und später auch spanischen) Geschwader sollten versuchen, die britische Blockade zu durchbrechen. Namentlich das in Brest liegende französische Geschwader unter Admiral Ganteaume - 21 Linienschiffe und Fregatten - sollte Kurs auf die Karibik setzen, um dort die britischen Handelswege anzugreifen bzw. britischer Besitzungen zu erobern.
Napoleon rechnete damit, daß starke britische Flottenverbände aus der Kanalflotte sowie aus dem Atlantik daraufhin die Verfolgung der alliierten Flotte aufnehmen würden und auf diese Weise die Verteidigung des Kanals entblößen oder zumindest schwächen müssten. Bei Gelingen des Planes sollte die französische Flotte in der Karibik kehrt machen und mit einigen Tagen Vorsprung vor ihren Verfolgern wieder Europa erreichen, sich mit weiteren französischen und spanischen Schiffen (seit Dezember 1804 im Krieg mit England) aus dem Mittelmeer, aus den Häfen Rochefort, Ferrol, La Coruna und Vigo vereinen und dann in den Kanal einlaufen. Ihr Auftrag lautete dann, die geschwächte Verteidigung des Kanals nötigenfalls ganz niederkämpfen und die Invasion nach England decken.

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Eine folgenreiche Beförderung

Sehr schnell stellte sich jedoch heraus, daß die Blockade vor Brest zu engmaschig war, weswegen der Kaiser den Plan im Mai 1804 modifizierte :
Die Rolle des "Hasen" sollte nun das in Toulon liegende Mittelmeergeschwader übernehmen. Dort hatte bis zu seinem plötzlichen Tod am 14 August 1804 Admiral Latouche-Treville das Kommando, ein fähiger Seeoffizier, der - allerdings während einer britischen Landeoperationen August 1801 an der Kanalküste - dem englischen Seehelden Nelson schon einmal die Stirn hatte bieten können. Die Entscheidung über seinen Nachfolger fiel schwer, waren doch die besten französischen Admiräle an andere Aufgaben gebunden oder - und das mag sich als verhängsnisvoll für des Kaisers Plan erwiesen haben - bei Napoleon in Ungnade gefallen. Letzteres nicht durch mangelnde Kompentenz, sondern weil sie es gewagt hatten, fachlich gegen den Kaiser zu opponieren. Ein Beispiel dafür war der Admiral de Bruix, zunächst als Führer der Invasionsflotte vorgesehen.
Der Marineminister Decres spielte in der Nachfolgefrage schließlich die entscheidene Rolle: Er setzte die Ernennung seines Freundes Villeneuve zum Admiral durch und schob ihn auf diese Weise sozusagen in die Nachfolgeposition - mangels anderer Kandidaten. Villeneuves Leistungen - zum Beispiel vor Aboukir - rechtfertigten seinen auch durch Decres kolportierten Ruf als guter Taktiker keineswegs.
Am 19. Dezember 1804 setzte Villeneuve in Toulon seine Flagge auf der BUCENTAURE. Unter seinem Kommando standen nun 11 Linienschiffe und 5 Fregatten. Seine Befehle lauteten, die Blockade so bald als möglich zu durchbrechen, westwärts nach Cadiz zu segeln (der Kriegseintritt der von Frankreich inzwischen abhängigen Spanier war beschlossene Sache) und sich mit mit einem spanischen Geschwader unter Admiral Gravina zu vereinigen.

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Die Jagd über den Atlantik

Nach einigem Zögern unternahm Villeneuve am 18. Januar 1805 seinen ersten Ausbruchsversuch, da das Blockadegeschwader unter Nelson zur Versorgung nach Sardinien abgezogen war. Die zwei verbliebenen britischen Fregatten konnten aber schon am nächsten Tag Nelson melden, daß die Franzosen umgehend nach Toulon zurückkehrten: Das Geschwader geriet in einen Sturm, der vier Schiffe stark beschädigte.

Einem kleinen Geschwader aus Rochefort unter Vize Admiral Missiessy dagegen gelang bereits im Januar 1805 der Durchbruch. Nach einigen Irrfahrten erreichte Missiessy schließlich Martinique, doch er traf Villeneuve nicht an und segelte schließlich wieder nach Rochefort zurück.

Villeneuve beklagte sich inzwischen bei Marineminister Decres bitter über den desolaten Ausbildungsstand der Crews und die schlechte Versorgung in Toulon, mehr noch, er äußerte bei dieser Gelegenheit bereits hier, daß selbst eine zahlenmäßig weit überlegenen französische Flotte gegen die britischen Seestreitkräfte keine Chance hätte, eine Attitüde, die in Villeneuves Korrespondenz gerade im Kontext mit Nelsons Name immer wieder auftaucht. Obwohl Villeneuve in vielerlei Hinsicht die Mängel der französischen Marine richtig benannte, ist das psychologische Moment dieser Äußerung sehr bezeichnend. Einige Historiker diagnostizieren bei dem französischen Admiral sogar eine Art Aboukir- oder Nelson-Syndrom.

Thomas Sturges Jackson - Logs of the great seafights


Nach dem erfolglosen Versuch infolge ungünstiger Winde gelang es dem weiterhin zögernden Villeneuve schließlich am 30. März 1805, der Blockade durch das britische Mittelmeergeschwader zu entkommen. Mit 11 Schiffen und 6 Fregatten steuerte er südwestlichen Kurs und erreichte schließlich Cadiz, wo er sich mit dem starken spanischen Geschwader von 8 Linienschiffen und 2 Fregatten unter Admiral Gravina vereinigte. Das Verhältnis zwischen Spaniern und Franzosen stellte sich jedoch von Beginn an als gespannt heraus, Dissonanzen ergaben sich in der Folge nicht nur aus dem Gebrauch unterschiedlicher Signalbücher, sondern auch aus einer wenig konstruktiven Mißachtung auf beiden Seiten.

Am 10. April verließ die alliierte Flotte Cadiz mit Kurs auf Martinique, wo sie rund 12000 Soldaten als Verstärkung der karibischen Streitkräfte absetzen sollte. Die französisch-spanische Flotte profitierte dabei davon, daß sich der britische Admiral Orde mit seinem Blockadegeschwader wegen ungünstigen Windes nicht hatte vor Cadiz halten können.
Lord Nelson, ärgerlich darüber, daß ihm die Franzosen in Toulon entkommen waren, vermutete zunächst, daß Ziel Villeneuves sei - wie schon einmal 1798 - Ägypten. In diese Richtung beorderte er nun seine Fregatten zu Aufklärungszwecken. Als ihm sein Irrtum schließlich klar wurde, stand der Wind zur Ansteuerung der Meeresenge von Gibraltar bereits ungünstig.

Erst am 4.Mai gelangte Nelson nach Gibraltar, verzögerte dann jedoch überraschend die Verfolgung, indem er am 7. Mai einen Konvoi nach Lagos Bay (Portugal) begleitete. Das alliierte Geschwader von Villeneuve und Gravina hatte inzwischen Kurs auf die Karibik genommen und kam am 15. Mai in Martinique an, der erste Teil des kaiserlichen Plans schien gelungen.

Inzwischen deutete jedoch vieles daraufhin, daß zumindest führende Mitglieder der Admiralität die Absichten Napoleons durchschauten. Namentlich der erste Lord der Admiralität, Barham, äußerte sich in diesem Sinne. Mit lediglich 9 Linienschiffen und 2 Fregatten nahm Nelson mit bemerkenswerter Muße erst am 18.Mai von Portugal aus die Verfolgung über den Atlantik auf und erreichte Barbados bereits am 7. Juni.

Villeneuve war inzwischen auf Martinique ebenso bemerkenswert untätig geblieben. Weder nützte er seine temporale Seeherrschaft im karibischen Seegebiet, um englische Besitzungen anzugreifen noch landete er die 12000 Mann zur Verstärkung der französischen Besitzungen. Einen kleinen Felsen mit Namen Diamond Rock , besetzt von rund 120 englischen Seeleuten, war alles, was Villeneuves Flotte als Beute davontrug. Alles spricht dafür, daß der französische Admiral jeden Augenblick die Nachricht vom Eintreffen einer großen Flotte unter Nelson erwartete. War es die Furcht vor dem Sieger von Aboukir, die Villeneuve in permanente Fluchtbereitschaft versetzte und damit untätig bleiben ließ ?

Am 11. Juni erfuhr Villeneuve von Nelsons Ankunft auf Barbados, wie auch von der Größe der britischen Flotte. Obwohl 2:1 überlegen, verließ der französische Admiral nun in derartiger Eile die Karibik - ohne z.B. die 12000 Soldaten noch zu landen - daß man diese überstürzte Abreise durchaus auch als Flucht deuten kann.

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Verpasste Möglichkeiten ?

Die alliierte Flotte - inzwischen bestehend aus 20 Linienschiffen und 7 Fregatten - Ausfälle und Neuzugänge hielten sich ungefähr die Waage - wurde auf ihrem Rückweg über den Atlantik von einem britischen Handelsschiff gesichtet, das diese Nachricht sofort nach England brachte. Als Ziel vermutete die britische Admiralität die spanische Westküste, da dort in den Häfen von Vigo (5) und Ferrol (15) weitere französische und spanische Schiffe lagen. Lediglich ein kleinerer Teil der Kanalflotte - 15 Linienschiffe - unter Admiral Calder war bereits entsandt worden, um Villeneuve den Weg zu verlegen und erwartete die feindliche Flotte rund 120 Meilen vor Kap Finisterre.

Einige Historiker sprechen nun von Villeneuves großer Chance, auf einem nordöstlichen Kurs um Schottland herum von Norden her in den Kanal einzulaufen und auf diese Weise die Engländer zu umgehen. Der stürmische, nördliche Weg um die englische Insel herum war aber schon der spanischen Armada 1588 und später anderen Flotten zum Verhängnis geworden, psychologisch dürfte diese geschichtliche Tatsache bei Villeneuve und auch bei den spanischen Kommandanten eine Rolle gespielt haben. Abgesehen von den Risiken dieser stürmischen Breiten wäre es sowohl der Nordseeflotte als auch den Kanalgeschwadern sicherlich nicht schwergefallen, Villeneuve den Weg zu verlegen, ist es doch wenig wahrscheinlich, daß Villeneuve in diesen Gewässern nicht in Sicht britischer Schiffe gelangt wäre. Vielleicht lag Villeneuves Chance zu temporären Beherrschung des Kanals in seinem Treffen mit den 15 Linienschiffen und 2 Fregatten des Admiral Calder am 22. Juli vor Kap Finisterre, bei sicherlich schlechten Sichtverhältnissen, schwachem Wind, aber doch zahlenmäßiger Überlegenheit der alliierten Flotte. Möglicherweise aber wäre auch ein Ausbruchsversuch von Admiral Ganteaume in Brest nun erfolgsversprechender gewesen, wenngleich die britische Admiralität keineswegs den napoleonischen Vorstellungen entsprechend handelte - sie entblößte die Deckung des Kanals nicht.


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Calder´s halbe Seeschlacht vor Kap Finisterre

Am 22.Juli, etwa 120 Meilen vor Kap Finisterre, trafen Villeneuves Schiffe und Calders Geschwader aufeinander. Die 7 Linienschiffe starke Vorhut der alliierten Flotte, gehalten vom spanischen Admiral Gravina auf der ARGONAUTA, kam um 11:00 kurz in Sicht, doch der Nebel erschwerte auf beiden Seiten ein korrekte Einschätzung der Stärke des Gegners. Gravina signalisierte rund 20 britische Schiffe, die Briten schätzten dagegen die Stärke von Villeneuves Streitmacht annähernd exakt ein, vielleicht weil die französisch-spanische Flotte in drei Kolonnen segelte und somit eine bessere Übersicht gewährleistet war. Admiral Calder auf der PRINCE OF WALES formierte daraufhin ungefähr zur Mittagszeit seine Geschwader zuerst in zwei Angriffssäulen, befahl dann aber doch eine Formation in einer einzigen Schlachtlinie, ein Befehl, der in seiner Umsetzung erneut 1 Stunde kostete. Um in der langen Schlachtlinie keine Lücken zuzulassen, in die der Gegner stoßen könnte, befahl Calder den Schiffen nun, enger aufzuschließen, ein Befehl, der bei schwachem Wind nur im Schneckentempo zu verwirklichen war. So reihte sich die DEFIANCE, zuvor schon 2 Meilen an den Gegner herangekommen, als letztes Schiff erst gegen 3:00 in die Schlachtlinie ein. Calder mag überrascht gewesen sein, daß es Villeneuve währenddessen - und zwar mit mehr Schiffen - gelang, seine drei Kolonnen ebenfalls in eine gewaltige Schlachtlinie zu formen. Die Spanier führten die Schlachtlinie nach wie vor an, die Fregatten waren in Luv zentral konzentriert, alles in allem eine Formation nach dem Kriegshandbuch.

Die beiden Flotten standen nun parallel zueinander, aber noch immer in einer Distanz von rund 7 Meilen. Als Calder um 3:20 den Befehl zum Angriff gab und sich mit einer allgemeinen Halse näher an den Feind brachte, begann der Nebel noch dichter zu werden, die Flotten wurden nun für einander unsichtbar, die Manöver des Feindes konnten nur noch erraten werden. Calder, der befürchtete, die alliierte Flotte könnte ihm davonsegeln, ließ erneut halsen, um mit diesem Kurs in die Schlachtlinie der feindlichen Flotte hineinzustoßen. Inzwischen hatte jedoch die spanische Spitze unter Gravina gewendet, da der spanische Admiral - Calders Absichten erratend - die Nachhut der Linie bedroht sah, namentlich einen wertvollen Westindienfahrer, der sich im Schlepp der alliierten Flotte befand. Tatsächlich versuchte die britische Fregatte SIRIUS, das Handelsschiff abzuschneiden, sah sich aber plötzlich den riesigen spanischen Linienschiffen gegenüber. Bezeichnenderweise für das Wetter gaben die passierenden Spanier jedoch keinen einzigen Schuß auf die Fregatte ab, offensichtlich waren Freund und Feind nicht zu unterscheiden ( Die Schonung der Fregatte durch die Linienschiffe wird von anderen dem Ehrenkodex zugeschrieben. Danach feuern Linienschiffe auf schwächere Schiffe nur, wenn sie von ihnen unter Feuer genommen werden. Dieser Ehrenkodex dürfte aber kaum beutehungrige Fregatten geschützt haben, weswegen ich diese Begründung für unzutreffend halte ). Ungefähr um 6:00 jedoch stießen die spanischen Schiffe mit der ARGONAUTA an der Spitze auf die vorgepreschte Spitze von Calders Schlachtlinie, die HERO, und die ersten Breitseiten wurden abgefeuert.

 Seeschlacht Links
Seeschlacht Links

Schließlich war die gesamte englische Linie aufgerückt und das Feuer war allgemein. Jedoch machten Nebel und Pulverdampf es unmöglich, die Ziele und deren Manöver überhaupt zu sehen, man konnte den Gegner lediglich erahnen. So kam es, daß manche Schiffe, so die spanischen FIRME, ESPANA und die SAN RAFAEL und die englischen WINDSOR CASTLE und MALTA, praktisch das Feuer der ganzen feindlichen Flotte auf sich zogen, während z.B. die französischen Schiffe faktisch gar nicht in die Schlacht eingriffen. FIRME und SAN RAFAEL fielen schließlich, vollkommen entmastet und manövrierunfähig, aus der alliierten Linie heraus und mußten sich den Briten ergeben - die Begeisterung bei Calder dürfte sich jedoch in Grenzen gehalten haben, hatte er damit doch die über vierzig Jahre alten "Omas" der feindlichen Flotte eliminiert. Die hereinbrechende Dunkelheit forcierte die Auflösung der letzten verbliebenen Ordnung der beiden inzwischen zerstreuten Flotten. Immerhin war es den Briten gelungen, die arg mitgenommene WINDSOR CASTLE in Schlepp zu nehmen, die alliierte Flotte konnte gerade noch die manövrierunfähige ESPANA vor dem feindlichen Zugriff bewahren. Auf Seiten der Briten gab es rund 40 Tote und 160 Verwundetete, die alliierte Flotte, bei der die spanischen Schiffe die Hauptlast des Kampfes hatten tragen müßen, beklagte 150 Tote, 330 Männer wurden verwundet, 1200 auf den weggenommenen Schiffen wurden gefangen. Das Mißverhältnis der Verluste ist aber nicht allein auf Pech zurückzuführen, sondern wohl auch auf die unterschiedliche Qualität und Verwendung der Artillerie - dazu aber später mehr.

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Patt auf See

Bei Anbruch des nächsten Tages, des 23.Juli - und unveränderten Wetterverhältnissen - machten beide in einigen Meilen Entfernung dümpelnden Flotten weder Anstalten zum Rückzug noch zum erneuten Angriff, auch am 24. Juli - diesmal mit mehr Wind - kam es weder zu einem Angriff noch zu einem Rückzug. Wie entstand diese merkwürdige Pattsituation ?
Beide Admiräle machten an erster Stelle den Nebel und den fehlenden Wind für ihre Untätigkeit verantwortlich.
Calder, der sich später vor einem Kriegsgericht einen Verweis für seine Untätigkeit einhandelte, begründete seine Entscheidung, nicht anzugreifen, zunächst mit der Sicherung der Prisen und der provisorischen Instandsetzung seiner beschädigten Schiffe. Später befürchtete er, daß Villeneuve bereits Verstärkung durch die 15 Schiffe auf Ferrol bzw. durch die 5 Schiffe aus Vigo bekommen habe, die im Hintergrund hätten lauern können. Als Hinweis darauf nannte er die Tatsache, daß Villeneuve sich nicht zurückzog, wie es ansonsten zu erwarten gewesen wäre !
Von Villeneuve kennen wir lediglich seinen Bericht: Er verschwieg völlig, daß neben den 6 spanischen Schiffen lediglich 3 französische Schiffe (von 14) überhaupt in irgendeiner Form in den Kampf eingegriffen hatten und begründete die Nichtwiederaufnahme der Kampfhandlungen mit der Zerstreuung seiner Flotte durch die Wetterverhältnisse. Nach annähernder Sammlung der Flotte habe er dann Calder vom Schlachtfeld vertrieben. Dieser Bericht ließ Napoleon einen Sieg feiern, während die Spanier unter Admiral Gravina empört über den französischen Admiral waren, der ihren praktisch hundertprozentigen Anteil an der Schlacht völlig verschwieg und auch keinen Versuch machte, die verlorenen Schiffe zurückzuerobern. Auf dieser Unterlassung bestand der französische Admiral, obwohl die spanische Führungsspitze ihn nachdrücklich dazu aufforderte. Die spanische Verstimmung über Villeneuves Arroganz und Hinterhältigkeit könnte durchaus seinen Teil zum späteren Geschehen vor Kap Trafalgar beigetragen haben.

Beide Admiräle - Calder und Villeneuve - hatten spätestens am 25. Juli die Gelegenheit, die Schlacht fortzusetzen. Calder tat es vielleicht nicht, weil er in seinen Vorurteilen über die Kampfkraft der Spanier und Franzosen durch den Kampf widerlegt wurde - ihm muß schließlich klar gewesen sein, daß er de facto nur mit der Hälfte der feindlichen Flotte Kampfhandlungen ausgetauscht hatte und trotzdem erheblichen Schaden davontrug. Villeneuve tat es vielleicht nicht, weil er die Gelegenheit ergriff, einen Sieg für sich zu reklamieren, indem er den Gegner "vom Schlachfeld gejagt" hatte. Da die beiden verlorenen Schiffe zur spanischen Flotte gehörten, war er sich bewußt, daß er diese Geschichte trotz der Verluste gut würde nach Paris verkaufen können. So nahmen beide Admiräle vermutlich den Spatz in der Hand und strebten nicht mehr nach der Taube auf dem Dach. Wie in stillem Einvernehmen segelten die beiden Flotten am 25. Juli in entgegengesetzte Richtungen davon.

Admiral Calder geriet daheim in der öffentlichen Meinung in große Schwierigkeiten. Man verzieh ihm nicht, die alliierte Flotte nicht geschlagen zu haben - immerhin doch eine Ungerechtigkeit, bedenkt man die Umstände genau. Die Vorwürfe an Calder legen jedoch Zeugnis ab für die unglaublich großen Erwartungen, die an britische Seestreitkräfte gestellt wurden.

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Zwischenspiel an Spaniens Küsten

Die alliierte Flotte steuerte nach dem Gefecht vor Kap Finisterre zunächst am 27. Juli Vigo an, um die Vorräte zu ergänzen, die Verwundeten zu versorgen und neue Mannschaften an Bord zu nehmen.
Am 31. Juli machte sich die Flotte auf den relativ kurzen Weg nach Ferrol, mußte allerdings 2 beschädigte Linienschiffe - so auch die ESPANA - zurücklassen. In Ferrol vereinigte sich die Flotte mit den 15 Linienschiffen, die Calder zuvor so gefürchtet hatte.

Calder selbst hatte im Anschluß an das Treffen vor Finisterre zunächst seine Prisen und beschädigten Schiffe heim geschickt und dann einen Treffpunkt vor Kap Finisterre aufgesucht, wo er hoffte, auf Nelson zu treffen. Als er diesen nicht antraf, entließ er vier Schiffe seiner Flotte zum Blockadegeschwader vor Rochefort und setzte Kurs auf Ferrol. Durch einen Sturm verzögert, traf er am 9. August mit 9 Linienschiffen vor der spanischen Nordküste ein und mußte feststellen, daß die feindliche Flotte inzwischen gewaltig angewachsen war - auf nunmehr 29 Schlachtschiffe. Da er unter diesen Umständen nichts ausrichten konnte, setzte er Kurs auf den Ärmelkanal.

Villeneuve erhielt indessen erneut Befehle von Napoleon, seine Flotte nun endlich nach Brest bzw. in den Kanal zu steuern - der Kaiser selbst wartete bereits in Boulogne, wo seine Truppen konzentriert worden waren.

Als Villeneuve am 11. September wieder auslief, mußte er zwei weitere Schiffe zurücklassen, deren Beschädigungen noch nicht behoben waren. Zudem scheiterte ein geplantes Treffen mit einem Geschwader aus Rochefort ( Gemeint ist Allemands "unsichtbares" Geschwader, siehe hier). Spätestens jetzt hatte der französische Admiral noch immer die Möglichkeit, zumindest den Versuch zu machen, in den Kanal zu laufen. Zusammen mit den französischen Schiffen in Rochefort und der Flotte Ganteaumes in Brest wäre die alliierte Flotte deutlich überlegen gewesen.

Am 21. August lief die französische Flotte in Brest aus dem Goulet, dem inneren Hafen, aus und ankerte in Erwartung von Villeneuves Flotte vor ihren Küstenbatterien, bewacht von 17 englischen Linienschiffen unter Cornwallis. Doch einen Tag zuvor war Villeneuves Flotte... in Cadiz angekommen. Denn das Unglaubliche war geschehen:

In krassem Widerspruch zu den Befehlen des Kaisers lief Villeneuve nach Süden mit Kurs auf Cadiz und bereitete damit eigenmächtig den napoleonischen Invasionsplänen für England ein endgültiges Ende - weder hatte der über diese Mißachtung seiner Befehle tobende Kaiser Zeit noch die Geduld, sie nun weiter zu verfolgen. Warum der französische Admiral so handelte und nicht z.B. einfach im strategisch wesentlich günstigeren Ferrol an der Biskayaküste blieb, ist ein Rätsel, daß bis heute nicht geklärt ist. Sogar die Versorgung wäre hier in der Nähe des französischen Mutterlandes wesentlich besser gewesen, während es den Briten schwergefallen wäre, ihn dort auf Dauer zu blockieren.

Inzwischen ist eine alte Hypothese wieder aufgelebt, daß Villeneuve nach dem Befehl des Marineministers Decres gehandelt habe. Dieser war wie andere Protagonisten in der Marine von jeher ein Gegner des napoleonischen Invasionsplans für die englische Insel und soll auf diese Weise die Pläne des Kaisers sabotiert haben - neue Beweise bzw. Dokumente, die diese Hypothese untermauern, sind mir aber nicht bekannt. Folgt man jedoch konsequent dieser Hypothese, muß man eine Verschwörung führender Teile der Marine gegen den Kaiser voraussetzen - eine solche Verschwörung ist aber auch nicht bekannt.

Villeneuve selbst nannte als Gründe für seine Abreise nach Cadiz aber gerade Versorgungsprobleme für seine Flotte, die er aus diesem Grunde in Ferrol nicht habe halten können. Damit ist aber die Befehlsverweigerung nicht erklärt, sondern bestenfalls seine Abreise.
Die Interpretation von Villeneuves Handlungen unter Historikern ist nicht einheitlich. Die einen betrachten seinen Rückzug als wirklich durch Versorgungs- und Koordinationsprobleme begründet, halten die Vereinigung mit der Flotte aus Brest für durchaus problematisch aufgrund der taktischen nautischen Vorteile für Blockadegeschwader vor Brest und weisen darauf hin, daß die britische Admiralität den Plan Napoleons schließlich durchschaut habe und entsprechende Kräfte im Kanal gebündelt gehalten habe.
Die anderen sprechen davon, daß der französische Admiral die Nerven verloren habe: Nach und nach habe er 6 Schiffe verloren (Schlacht vor Finisterre, in Vigo und in Ferrol), das Treffen mit den 5 Schiffen aus Rochefort (Siehe hier) war gescheitert, die Verachtung der Spanier habe ihm zudem zugesetzt und last but not least mußte Villeneuve den so gefürchteten Nelson bereits wieder in der Nähe der Biskaya vermuten - ein angebliches Treffen mit einem amerikanischen Handelsschiff und entsprechenden Informationen sind zwar nicht belegt, würde aber gut in das Bild passen. Diesem nervlichen Druck habe der psychisch ohnehin labile Villeneuve nicht standgehalten.
Angesichts Villeneuves Laufbahn halte ich die zweite Interpretation für stichhaltiger, wenngleich beide Versionen letztlich Fragen offen lassen und unbefriedigend bleiben.

 Forester´s Horatio Hornblower

C.S. Forester ´s HORATIO HORNBLOWER

Die Kassette enthält alle 11 Bücher um C.S. Foresters Figur Horatio Hornblower: Fähnrich Hornblower , Leutnant Hornblower , Hornblower auf der Hotspur , Zapfenstreich , Kommandant Hornblower , Der Kapitän , An Spaniens Küsten , Unter wehender Flagge , Der Kommodore , Lord Hornblower und Hornblower in Westindien .

C.S. Forester findet in seinem Roman Zapfenstreich eine interessante Auflösung des Rätsels um Villeneuves Entscheidung, Cadiz anzusteuern. Sein englischer Seeheld Kapitän Horatio Hornblower ersinnt einen Plan, dem französischen Admiral Villeneuve gefälschte Befehle des Kaisers Napoleon zukommen zu lassen. Leider hat Forester den Roman vor seinem Tode nicht beenden können, er liegt lediglich als Fragment vor. Wer sich aber für die Seekriege Englands gegen Frankreich interessiert, für den wird die Karriere Horatio Hornblowers vom Fähnrich 1793 bis zum Admiral nach 1815 spannend zu lesen sein. Der Vater aller späteren maritimen Romanhelden wie Richard Bolitho oder Nicholas Ramage ist ein recht realistisches Bild eines Seeoffiziers dieser Zeit, annähernd nahtlos eingebettet in die historischen Zusammenhänge.

Übrigens halte ich "Der Kommodore" für das beste Buch aus der Serie (7,95 EURO), weil Forester in den sechziger Jahren mit einigen lediglich erdachten Konstruktionen sogar Historiker beeindruckte. In "Der Kommodore" verteidigt zum Beispiel Kommodore Hornblower 1812 mit seiner kleinen Flotte in der Ostsee die russische Stadt Riga gegen die Truppen Napoleons. Verblüfft konstatierten damals die Historiker die fast vergessene Tatsache, daß tatsächlich ein englisches Geschwader die Russen gegen Napoleon unterstützt hatte - vor Riga ! (Die ABOUKIR und die ORION passierten am 10.Juni 1812 den Belt und trafen am 20. Juni vor dem französisch besetzten Danzig eine russische Fregatte. Durch Napoleons Angriff auf Rußland im Frühjahr nunmehr Verbündete der Russen unterstützten sie seit dem 5. Juli vor Dünamünde die Verteidigung der Stadt Riga mit rund 400 englischen Seeleuten und rund 30 Kanonenbooten unter Kapitän Browne.)

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Nelson´s Heimkehr, Villeneuves Belagerung

Tatsächlich traf Nelson am 14. August im Kanal ein und erfuhr vor Brest von der Entwicklung der Dinge. Zu diesem Zeitpunkt kannte man in England bzw. bei der Kanalflotte zwar den Kurs der feindlichen Flotte, nämlich von England weg, jedoch nicht das endgültige Ziel - es war jedoch leicht zu erahnen. Während sich nun sehr schnell Blockadekräfte - übrigens geführt von Admiral Calder - neu formierten und Villeneuve folgten, betrat Nelson am 18. August in Portsmouth wieder englischen Boden. Der Druck der englischen Öffentlichkeit, die Gefahr einer Invasion ein für alle Male zu beseitigen, war für ihn sozusagen mit Händen zu greifen, der Mißerfolg Calders hatte hier als zusätzlicher Multiplikator gewirkt.

Am 20. August erreichte Villeneuve mit seiner Flotte Cadiz und wurde fast umgehend von britischen Einheiten unter Collingwood dort gesichtet und "blockiert" - soweit dieser Terminus bei 7 Linienschiffen unter Collingwood und Bickerton treffend ist, die zunächst vor dem Hafen kreuzten. Am 30. August erreichte dann der unglückliche Calder mit 18 Schlachtschiffen Cadiz. Die Kräfteverhältnisse waren dennoch eindeutig: Mit 29 Linienschiffen war Villeneuve eingelaufen und hatte in Cadiz noch weitere 5 vorgefunden.

Am 2. September erhielt Nelson die Botschaft von Villeneuves Ankunft in Cadiz, am 14. September ging er in Portsmouth wieder an Bord der VICTORY, gefeiert von einer riesigen Menschenmenge, die ihm in fast religöser Verehrung zujubelte. Die Erwartungen, die man Nelson entgegenbrachte, enthielten nichts weniger als die Vernichtung der in Cadiz ankernden feindlichen Flotte.

Villeneuve - mehr oder weniger eifrig mit einer erneuten Instandsetzung seiner Flotte beschäftigt - bekam inzwischen neue Befehle (datiert vom 14.9.) eines noch immer tobenden französischen Kaisers, die ihn und seine Flotte via Cartagena nach Neapel sendeten, um dort die nach wie vor eingeschifften Truppen zu landen - ein Befehl, der den Kommandant der alliierten Flotte am 28. September erreichte.
Doch Villeneuve, der über einen Monat lang praktisch untätig geblieben war, lief nicht aus. Er verharrte wie das Kaninchen vor der Schlange im Hafen, vor dem englische Beobachtungsfregatten kreuzten - die englische Flotte konnte der französiche Befehlshaber außer Sichtweite des Hafens hinter dem Horizont vermuten.

Zu diesem Zeitpunkt muß man sich wundern, warum Napoleon den gelinde gesagt unglücklich agierenden Admiral nicht schon längst hatte ablösen lassen. Wahrscheinlich kann man eine mögliche Erklärung aus der Korrespondenz Villeneuves ableiten. Dessen Berichte schönen die Tatsachen, verweisen auf selbst heute nur noch schwer nachprüfbare Hindernisse und verheißen baldige, entscheidende Verbesserungen.

Die Geduld des Kaisers war indessen tatsächlich erschöpft, denn schon am 15. September bestimmte er mit Admiral Rosily-Mesros Villeneuves Nachfolger und schickte ihn bezeichnenderweise nach Cadiz, nicht nach Cartagena oder gar Italien. Am 18. September machte sich Rosily auf den Weg - seine Reise würde überraschend lange dauern.

Am 29. September 1805 stieß Nelson mit weiteren 3 Linienschiffen zur Blockadeflotte vor Cadiz und übernahm das Kommando. Seine Ankunft blieb geheim. Nelson postierte seine Fregatten weiter vor Cadiz und das Gros seiner Flotte weit außer Sichtweite des Hafens. Er hoffte, daß sein Verzicht auf Demonstrationen der Stärke Villeneuve zum Auslaufen animieren würde. Zwischen seinen Beobachtungsfregatten und dem Gros der Flotte errichtete der englische Oberkommandierende eine Meldekette patrollierender Linienschiffe, so daß er über jede Bewegung der alliierten Flotte umgehend informiert wurde. In den nächsten zwei Wochen richteten sich die Briten auf eine längere Blockade ein, Schiffe kamen, andere verließen den Flottenverband wieder, z.B. um Konvois zu eskortieren oder Proviant zu ergänzen. Auch Calder verließ schließlich die Blockadeflotte in Richtung England, um dort seine Kriegsgerichtverhandlung zu erwarten. Es spricht für das Selbstbewußtsein der Briten, daß sie allein zum Transport Calders auf der HERO immerhin eines des kampfkräftigsten Schiffe entbehrten. Überhaupt hätte Nelson durchaus auch über 30 Linienschiffe ins Gefecht führen können, wenn er dieses hätte erzwingen wollen, doch der englische Admiral war vollkommen von der Überlegenheit der britischen Kampfkraft überzeugt.

 The Battle Of Trafalgar - Nelson's Victory [UK IMPORT]

DVD The Battle Of Trafalgar - Nelson's Victory [UK IMPORT]
Präsentation / Erzähler: Robert Powell
Sprache: Englisch
DVD Erscheinungsdatum: 16. August 2004
Laufzeit: 55 Minuten

 The Marine Art of Geoff Hunt The Marine Art of Geoff Hunt
Marinegemälde
von Geoff Hunt
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 144 Seiten - Conway Maritime -

Erscheinungsdatum: SEPTEMBER 2004

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Flucht nach vorn

Inzwischen hatte Villeneuve von Rosilys Abreise aus Paris erfahren. Obwohl er Rosillys Mission nicht kannte, lag es nahe, daß sich sein Nachfolger auf dem Weg nach Cadiz befand. Am 8. Oktober beriet sich Villeneuve mit seinem Stab und drängte nun plötzlich auf die Abreise nach Cartagena. Doch insbesondere der Widerstand der Spanier gegen diesen Plan erwies sich als nachhaltig. Admiral Gravina argumentierte, daß ein längerer Aufenthalt in Cadiz der Flotte gut tun würde, während die Blockade die Engländer schwächen mußte und plädierte für einen günstigeren Termin zum Auslaufen.

Die spanische Position war gerade auch wegen des Heimvorteils stark und zum Teil wohl auch gegen Villeneuve persönlich gerichtet. Der mußte nun einsehen, daß er sich vorerst gegen diesen Widerstand nicht durchsetzen konnte, denn ohne die spanische Flotte konnte er nicht segeln.

Am 17. Oktober verfügte Nelson über 27 Linienschiffe und 4 Fregatten, im Hafen von Cadiz lagen 34 feindliche Schlachtschiffe und 6 Fregatten. Die Briten fühlten sich jedoch auch angesichts der Differenz von 7 Großschiffen keineswegs unterlegen, ganz im Gegenteil. Die Erfahrungen aus den vielen siegreichen Seegefechten des Krieges stärkten ihnen des Rücken, den englischen Kapitänen war die Präsenz Lord Nelsons allein schon Unterpfand für militärische Überlegenheit.

Am 18. Oktober erfuhr Villeneuve, daß Rosily in Madrid eingetroffen war und wurde auch über den Zweck dieser Reise unterrichtet. Umgehend traf er Vorbereitungen, mit seiner Flotte Cadiz zu verlassen. Es war nicht die Suche nach der Entscheidung auf See, die Villeneuve veranlaßte, den sicheren Hafen zu verlassen. Es war die Flucht vor seinem anreisenden Nachfolger, die am Ende zur Schlacht von Trafalgar führten !

Gegenüber dem spanischen Widerstand nützte Villeneuve - allerdings bis zu 3 Wochen alte - Meldungen, wonach die Engländer bis zu 6 Schiffe für andere Aufgaben hatten entlassen müßen. Über die Verstärkungen für die Briten berichtete oder wußte er nichts. Es gibt aber Indizien dafür, daß Frankreichs Admiral die zahlenmäßige Stärke der britischen Flotte deutlich unterschätzte. Dennoch nannte er die Schlacht nicht explizit als Ziel der Abreise, sondern vorerst lediglich das Ziel Cartagena.

Am 19. Oktober um 6:00 begann die Flotte Anker auf zu gehen, mußte aber ein seeuntaugliches Linienschiff zurücklassen, eine Fregatte war zudem am Tage zuvor als Späher ausgelaufen und fand zur Flotte nicht mehr zurück. Zudem gab es kaum Wind. Als um die Mittagszeit erst 7 Linienschiffe den Hafen verlassen hatten, schlief der Wind vollkommen ein und man mußte Boote zum Schleppen der riesigen Schiffe einspannen. Erst am Mittag des 20. Oktober war die ganze alliierte Flotte auf See, einen nautisch schlechteren Zeitpunkt zum Aufbruch hätte es wohl schwerlich geben können.
Nelson hatte bereits rund zwei Stunden nach Beginn der feindlichen Anker auf Manöver von dem bevorstehenden Auslaufen der Flotte erfahren. Er ließ seine Beobachtungsfregatten aufschließen und verkürzte insgesamt die von ihm aufgebaute Meldekette. Dann traf er erste Vorbereitungen, seine Schiffe für die Schlacht zu formieren.

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Nelson´s Plan

Im 18. Jahrhundert bestand die Standardschlachtordnung in dicht aufgeschlossenen Linien: Schiff reihte sich an Schiff, während die Linie Parallelkurs zum Gegner hielt. Da die Kanonen der Länge nach über die Schiffsdecks verteilt waren, brachten die Schlachtschiffe auf diese Art und Weise am besten ihre Breitseiten zum Tragen. So passierten zwei Linien von Schiffen (daher: Linienschiff) einander in Entfernungen zwischen 50 und 200 Metern und feuerten, was das Zeug hielt. Die Schlacht war in der Regel beendet, wenn Schiffe durch Beschädigungen aus der Linie herausfielen und man die Linie nicht mehr halten konnten. Wer also die Linie des Gegners zuerst zum Zusammenbruch brachte, gewann die Schlacht. Der Kodex der Offiziere gebot dem Verlierer, die Niederlage anzuerkennen, dem Gewinner, die feindliche Flotte ohne weitere Schläge abziehen zu lassen.

Bemerkenwert ist hier zum besseren Verständnis noch, daß diese Art des Kampfes sich auch auf die Nutzung der Artillerie auswirkte. So bevorzugten die Franzosen eine große Erhöhung ihrer Geschütze, um die feindliche Takelage zu zerschießen und die Manövriereigenschaften des Gegners zu reduzieren. U.a. auch dafür wurden spezielle Geschütze und Geschoße entwickelt, die Karronaden bzw. Kartätschen entwickelt. Die Scottish Carron [ "Carronades" = Karronaden ] Company entwickelte z.B. 1778 großkalibrige, dabei aber relativ leichte Kanonen mit zwar kurzer Reichweite, dafür aber verheerender Wirkung. Mit dem Zerschießen der Takelage hatten die Franzosen schon einmal besonderen Erfolg gehabt: 1781 in der Seeschlacht von Chesapeake während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges hatten sie die Briten geschlagen.

 Die Seekriege, Seeschlachten und Zweikämpfe auf See zwischen 1775 und 1815
Die Seekriege, Seeschlachten und Zweikämpfe auf See zwischen 1775 und 1815

Die englische Artillerieführung konzentrierte sich eher auf den Schiffsrumpf und die Geschütze des Gegners, um diese zum Schweigen zu bringen - Nebeneffekt war jedoch auch, daß die Besatzung des Gegners wesentlich stärker in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Erfahrungen vor 1805 zeigten auch, daß diese Taktik deutlich wirkungsvoller als das Zerschießen von Segeln und Tauwerk war. Trotzdem hielt die französische Marine weiter an ihrer Taktik fest.

Ziel der marinen Kriegsführung des 18. Jahrhunderts war aber lediglich, den Gegner zu schlagen, nicht, ihn zu demütigen oder gar zu vernichten - so lautete zumindest der Kodex der Gentlemen bzw. Chevaliers. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich jedoch auch auf See mehr und mehr die Schlacht zum Zwecke der "Annihilation" statt des "Disabling" durch: Der Gegner sollte nicht nur geschlagen werden, er sollte auch dauerhaft außer Gefecht gesetzt werden.

Die Schlachtlinie blieb aber vorerst die Standardschlachtordnung, insbesondere in Frankreich. So verwarf das französische Kriegshandbuch 'Tactique Navale' von 1763 den Enterkampf und ermahnte die Kapitäne, ihre Position in der Linie zu halten - und zwar genau 1 Kabellänge (185 Meter) hinter dem Führungsschiff. Diese Distanz war jedoch nur mit der Utopie einer perfekten Besatzung und eines perfekten Schiffes zu halten. Und die Linie war schon vor Beginn des 19. Jahrhunderts mehrfach als unzeitgemäße Schlachtaufstellung entlarvt worden:

Am 12.4.1782 nutzte der englische Admiral Rodney (36 Schiffe) vor den Iles des Saintes (Karibik) gegen eine französische Flotte (33 Schiffe) zum ersten Mal die Lücken in der feindlichen Linie und steuerte mit einigen Schiffen in einer 90° Wendung in diese Lücken hinein, um dann die Gegner zu beiden Seiten der Länge nach mit der Artillerie zu bestreichen. Er errang damit einen der größten Siege der britischen Seegeschichte überhaupt und veränderte die britische Seekriegsführung entscheidend.

Am 29.5.1794 traf der englische Admiral Lord Howe mit 26 Schiffen im Atlantik auf eine aus 25 Schiffen bestehende französische Flotte unter Admiral Villaret-Joyeuse ( Die Schlacht zog sich bis zum 1. Juni hin, deswegen auch als Glorious First of June bezeichnet ). Die Franzosen befanden sich in der Luvstellung, d.h. in einer nautisch vorteilhaften Position. Howe jedoch durchbrach die traditionelle Schlachtlinie des Gegners, indem er, den gefürchteten Längsbeschuss in Kauf nehmend, mit seiner Formation geradewegs in den Gegner hineinsegelte und dessen Nachhut abschnitt. Zudem gewann er in der Fortsetzung der Schlacht selbst die Luvposition und errang den ersten großen Seesieg der Koaltionkriege. Getreu der Tradition ließ er den geschlagenen Gegner jedoch ziehen.

Die Lehren aus diesen Schlachten zogen Admiral Duncan 1797, der bei Camperdown bzw. Kamperduin die holländische Flotte auf ähnliche Weise schlug und ein Kommodore Nelson , als er bei der Schlacht von St. Vincent - ebenfalls 1797, übrigens entgegen den Befehlen seines Admirals John Jervis - ebenfalls frontal in einen zahlenmäßig überlegenen Gegner hineinsegelte und die ihm folgenden Schiffe, u.a. übrigens den damaligen Kommodore Cuthbert Collingwood, mitzog. In beiden Fällen erwies sich das Resultat als für den Gegner verheerend, auch wenn die frontal die Linie angreifenden Führungsschiffe der Briten jeweils annähernd zu Wracks geschoßen wurden. Als Keile bewirkten sie jedoch die Zersprengung der feindliche Schlachtlinie zu kleinen, leichter zu attackierenden Schiffsgruppen.

Auf den Erfahrungen dieser Schlachten basierte nun der Plan Nelsons, den er bereits bei der Blockade von Toulon im Sinne hatte, nun aber vor Cadiz mit seinen Kapitänen minuziös ausgearbeitet hatte.

Click zurück Trafalgar um 12:00
Der Angriff der englischen Flotte bei Trafalgar

Nelson beabsichtigte seine Flotte in zwei ungefähr gleich starke Angriffskeile zu unterteilen, die in die lange Schlachlinie des Feindes hineinstoßen sollten. Die sogenannte Weather (Luvseite) Column plante Nelson selbst so zu führen, daß er knapp über dem Zentrum der feindlichen Linie in den Gegner hineinstieß. Wenn möglich, wollte er das feindliche Flaggschiff angreifen, daß er in der Nähe seiner Angriffsmarke vermutete. Vizeadmiral Collingwood mit der sogenannten Lee Column sollte die feindliche Linie knapp vor der Nachhut des Gegners durchschneiden. Sinn des riskanten Manövers war zunächst, die Vorhut des Gegners für einen längeren Zeitraum vom Kampf auszuschließen, denn durch das Manöver würde sich die Vorhut laut Plan bereits einige Schläge (Distanz) vom eigentlichen Schlachtfeld entfernt haben. Der sich nähernden Nachhut dagegen würden sich die Breitseiten der Lee Column entgegenstellen, während Collingwood gleichzeitig mit den Breitseiten der anderen Schiffsseite im Rücken des Zentrums stehen würde. Man mußte dabei jedoch in Kauf nehmen, daß vor allem die Führungsschiffe und später die Weather Column selbst zunächst einmal dem konzentrierten Feuer des Gegners ausgesetzt wäre. So wird der Plan, den der englische Seeheld selbst "Nelsons Touch" getauft hat, meistens beschrieben... und ist damit unvollständig.

Denn am Ende würde das Manöver für die Weather Column - darüber war sich Nelson sicherlich klar - in einem mehr oder weniger unübersichtlichem Nahkampf enden. Dies ist die eigentliche, hintersinnige Bedeutung des Wortes "Touch" (Berührung) Und dies ist auch die eigentliche strategische Innovation des englischen Admirals, denn seit der Seeschlacht von Lepanto 1571 bzw. durch den Sieg über die spanischen Armada durch überlegene Artillerie im englischen Kanal 1588 war die Entertaktik in der Seekriegsführung bestenfalls noch taktisches Mittel, jedoch nicht mehr Teil einer Strategie gewesen.

Nelson setzte jedoch nach den ersten Stufen des Planes für die eigentliche Schlacht auf den Nahkampf, weil er die Initiative und Flexibilität seiner Kapitäne für überlegen hielt... und nicht zuletzt auch die für derartige Manöver überlegene englische Artillerie. Einen - eher privaten - Aspekt dieses Planes sollte man erwähnen: Für die Besatzung der Victory, des Führungsschiffs der Weather Column, und damit für Nelson selbst waren die Überlebenschancen angesichts des zu erwartenden Kugelhagels am geringsten. Wirft man einen Blick auf Nelsons Karriere, die von rund einem halben Dutzend mehr oder weniger schweren Verwundungen begleitet wird (was angesichts der Manöver, die er durchführte, zu erwarten war), kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der englische Admiral wohl nicht die rechte Freude am Leben gehabt hat. Diese Vermutung wird durch die Tatsache erhärtet, daß Nelson trotz Warnungen und gegen die Gepflogenheiten während der Schlacht seine 4 Sterne offen auf der Uniform trug und damit zu einem vorzüglichen Ziel wurde.

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Das Vorspiel zur Schlacht

Die aus Cadiz ausgelaufene alliierte Flotte steuerte Südkurs zur Meerenge von Gibraltar. Nelson, gut informiert über die Bewegungen des Gegners, gab nun der britischen Flotte das Signal "Allgemeine Verfolgung nach Südosten". Kurz vor Sonnenuntergang schlug der Wind etwas um und ermöglichte Villeneuve einen direkten Weg nach Gibraltar. Das Signal zur Kurskorrektur brachte die alliierte Flotte jedoch vollkommen aus der Schlachtordnung, sei es wegen der unterschiedlichen Signalcodes, sei es durch den unterschiedlichen Ausbildungsgrad der Besatzungen.

Die englische Signalkette ging in der Dämmerung zu Lichtsignalen über, die um 19:00 herum auch auf der REDOUTABLE gesehen wurden. Um selbst nicht wahrgenommen zu werden oder aber auch, um ein weiteres Chaos zu vermeiden, gab man in der alliierten Flotte nun die Signale mit dem Megaphon (!) weiter. Doch Villeneuve erfuhr erst um 20:30 von der Beobachtungen der REDOUTABLE. Angesichts des abflauenden Windes befahl er, die Schlachtlinie erneut herzustellen - ein schwieriges Unterfangen in der Dunkelheit, denn neben der Signalproblematik waren die Schiffe auch noch unterschiedlich schnell.

Bei Tagesanbruch begann sich die englische Flotte in die beiden geplanten Angriffskeile zu teilen und um 5:45 konnten sich beide Flotten deutlich ausmachen. Sie standen nun rund 12 Meilen vor dem Kap Trafalgar. Villeneuve erkannte, daß ihn sein Kurs auf die Dauer von Cadiz abschneiden würde und die Briten ihn dann in ein Jagdgefecht verwickeln konnten, d.h. sie konnten die Linie von hinten aufrollen.
Der spanische Admiral Gravina bat den französischen Admiral durch Signale, Villeneuve möge ihm und seinem Geschwader erlauben, unabhängig in der Linie vorzugehen, er beabsichtigte, die Verteidigung flexibel jeweils dort zu verstärken, wo es nötig würde. Doch Villeneuve befahl Gravina, in der Linie zu bleiben.

Um Cadiz unter dem Wind und damit eine Fluchtmöglichkeit zu behalten, gab der französische Admiral um 8:00 herum der gerade leidlich ausgerichteten Linie den Befehl zur vollen Wende. Damit spielte er, wahrscheinlich ohne es zu ahnen, Nelsons Plänen zweifach in die Hände. Zum einen war der Plan des englischen Admirals gegen eine sich nähernde Flotte besser durchzuführen als gegen eine von ihm wegstrebende. Zum anderen führte Villeneuves Befehl erneut zum Chaos in einer gerade aufgebauten Schlachtlinie. So bekam die Nachhut, nun Vorhut, einen gewissen Vorsprung vor dem Zentrum, die jetzige Nachhut andererseits überholte Teile von Gravinas Schwadron, es entstand eine zwei bis drei Schiffe tiefe, ca. 4 Meilen lange und zudem löchrige Kurvenlinie. Damit reduzierte sich das Feuer der Breitseiten, die auf die Angreifer schießen konnten, um mehrere Schiffe. Um das Ganze noch zu verschlimmern, wurde nun der ohnehin schwache Wind launisch und erschwerte weitere Manöver ungemein.

Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.


Davon waren auch die sich langsam nähernden Briten betroffen. Es war ihnen zwar gelungen, die beiden Phalangen zu bilden: Nelson führte 12 Linienschiffe, Collingwood hatte 15 Schlachtschiffe unter seinem Kommando. Jedoch hatte Nelson die schnellsten Schiffe in die vorderen Positionen gestellt. Damit ergaben sich auch hier Löcher in den Linien, die schnelleren Schiffe gewannen Vorsprung vor ihren Hintermännern. Es war offensichtlich, daß das keilförmige Hineinstoßen in den Gegner obsolet war, die Schiffe mußten sozusagen in die gegnerische Linie tröpfeln.
Darüber hinaus erwies sich die chaotische Form der gegnerischen Linie ungewollt in einer Hinsicht als Problem: Durch ihre konkave Form mußte Nelson mit seiner Weather Column einen weiteren Weg in das Zentrum zurücklegen als Collingwood zu seinem Angriff auf die Spitze der Nachhut. Somit war der Angriff unkoordiniert.
Nelson erkannte dies, fürchtete aber, daß der launische Wind auffrischen und Villeneuve die Flucht nach Cadiz ermöglichen könnte. Außerdem hatte der englische Admiral schon seit dem 19. Oktober einen Sturm vor Cadiz befürchtet und die klimatischen Verhältnisse des Tages schienen auf das Unwetter hinzudeuten. Deswegen schloß er - so schnell er konnte - zum Feind auf.

Um 11:00 hatten sich die Flotten auf nur noch 2-3 Meilenangenähert und waren schon fast in Feuerreichweite (ca. 1 Meile), doch die Annäherung geschah infolge des schwachen Windes wie in Zeitlupe. Nelson ließ nun ein Signal an alle Schiffe hissen, daß berühmt geworden ist: "England confides that every man will do his duty", was der Überlieferung nach Begeisterungsstürme auf den britischen Schiffen auslöste, tatsächlich bei manchen aber eher Verwirrung. Der Signalleutnant flaggte nämlich "England expects that every man will do his duty ". Damit wurde aus dem "England vertraut darauf, das jeder Mann seine Pflicht tun wird " eine militärisch schroffe Ermahnung. Namentlich Collingwood zeigte sich irritiert.

Um 11:30 gab Villeneuve das Feuer frei, so das die ersten Fernschüsse von der MONARCA und FOUGUEUX auf die sich annähernden Briten gefeuert wurden.
Um 11:50 gab Nelson sein letztes Signal und befahl, näher an den Feind heranzugehen. Dies war der eigentliche Beginn der Schlacht.

In einer zeitgenössischen Karte kann man sich eine Vorstellung vom britischen Angriff machen, wenngleich nicht alle Schiffspositionen korrekt sind (z.B. ist das nördlichste britische Schiff die AFRICA, nicht die NEPTUNE).

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Die Schlacht von Trafalgar

Auf der spanischen SAN JUAN NEPOMUCENO, die zu Gravinas Schwadron gehörte und inzwischen in die Nachhut zurückgefallen war, beobachtete der Kapitän Churruca die Entwicklung und schüttelte den Kopf, als Villeneuve auf die Annäherung der Briten nicht reagierte. Churruca erkannte Nelson Plan, die Vorhut zu isolieren und Teile der Nachhut abzuscheiden. Seinem ersten Offizier teilte er seine Gedanken mit und gleichzeitig den Lösungsvorschlag, die Vorhut sofort wenden zu lassen. Anderenfalls hielt er die Schlacht bereits jetzt für verloren. Doch er verzichtete darauf, Villeneuve seine Erkenntnisse und Vorschläge zu signalisieren. Immerhin tat er in der Folge alles, sein Schiff in das Zentrum der Schlacht zu steuern.

Die Vorhut unter dem französischen Admiral Dumanoir steuerte unbeirrt Nordkurs und entfernte sich damit von der eigentlichen Schlacht. Wenn Dumanoir zu diesem Zeitpunkt gewendet hätte...Wer weiß ?
Die britische AFRICA unter Kapitän Henry Digby, eigentlich das Schlußschiff von Nelsons Weather Column, hatte den Anschluß verpasst und war nach Nordwesten verschlagen worden. Um sich an Nelsons Angriff zu hängen, hätte sie einen zeitraubenden Bogen fahren müßen. Stattdessen steuerte sie als einziges britisches Schiff die Vorhut der alliierten Flotte an.
Auch die BRITANNIA blieb beim Anlaufen auf die feindlichen Linien praktisch stehen und wurde von einem Schiff nach dem anderen überholt. Nelson mußte praktisch mit nur 10 Linienschiffen angreifen.

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Ergänzende Informationen zur Schlacht

Um die folgende Schlacht verstehen zu können, sind vorab noch einige Informationen nötig.
Ein entscheidender Faktor für den Sieg der Briten war ihre Artillerie. Wegen des besseren Drills der Mannschaften konnten englische Schiffe in der Regel ihre Kanonen zweimal so schnell laden und abfeuern wie der Gegner. Die Ladezeiten einer Kanone waren zudem abhängig vom Kaliber und der Art der Ladung. Linienschiffe führten auf ihren 2 oder 3 Artilleriedecks leichte 12-Pfünder, schwerere 18-Pfünder und die wahren Monster, die 32-Pfünder. Natürlich ließen sich die leichteren Kanonen schneller laden (3-6 Minuten), für einen 32-Pfünder brauchten die Bedienungen bis zu 15 Minuten. Manche Breitseiten wurden mit Spezialladungen versehen, z.B. sogenannte "double shoots", bei denen gleich zwei Kanonenkugeln abgefeuert wurden. Die Ladezeit verlängerte sich entsprechend, dafür waren diese Ladungen höchst wirkungsvoll.

Die in der Tabelle weiter unten angegebene Anzahl der Kanonen schließt übrigens nicht die Anzahl der sogenannten Karronaden ein. Karronaden waren wesentlich leichter als Kanonen und in der Regel auf einer beweglichen Schiene montiert. Ihre Reichweite und Durchschlagskraft war sehr begrenzt, weswegen sie ausschließlich gegen "weiche" Ziele wie Takelage und Besatzung im Nahkampf eingesetzt wurden. Karronaden konnten zwar auch mit Kugeln geladen werden, enthielten aber häufiger Kartätschen, einer Art monströser Schrotladung. Daneben gab es Spezialgeschoße, die nur zur Zerstörung der Takelage diente, aber auch schreckliche Geschoße, die extra für Menschengruppen gedacht war.
Der Beschuß von Holzschiffen durch all diese Geschoße verursachte fürchterliche Verletzungen, ein großer Teil wurde vor allem durch herumfliegende Holzsplitter hervorgerufen.

Die Kanonen waren jedoch auch 1805 nichts anderes als bessere Steinschleudern - auch wenn die Kugeln mittlerweise aus Metall waren. Ihre Treffsicherheit ließ nach den ersten 100 Metern gewaltig nach, wenngleich man mit ihnen bis zu 2 km weit schießen konnte. Auf See kamen dazu noch die Bewegungen des Schiffes. Hier hatten die Engländer durch das moderne Feuersteinschloß erhebliche Vorteile. Das Auslösen des Schußes erfolgte dabei wesentlich schneller als beim Luntenschloß, daß auch schon einmal sekundenlang verzögerte. Selbst bei leichtem Rollen des Schiffes konnte auf diese Weise der Schuß schlicht über das Ziel hinweggehen. Neben dem höheren Ausbildungsstandard der englischen Kanoniere mag diese Tatsache den Verlauf so manchen Artillerieduells bei Trafalgar erklären.

Bei Trafalgar sank lediglich ein Schiff durch die direkte Einwirkung der Schlacht. Linienschiffe bzw. Schlachtschiffe waren monströse Schiffe mit 2 bis 3 Artilleriedecks übereinander, zwischen 60 und 80 Meter Länge, rund 15 Meter Breite und zwischen 6 und 9 Metern Deckshöhe, die teilweise richtiggehend gepanzert waren. Die VICTORY war an manchen Stellen aus 60 cm dicker Eiche gebaut. So manche an sich gut gezielte Kanonenkugel blieb in dem Holz stecken. Zudem waren wirkungsvolle Treffer unterhalb der Wasserlinie äußerst selten. Doch selbst bei Wassereinbruch konnten diese Schiffmonster noch tagelange schwimmen, bevor sie untergingen.

Linienschiffe wie die VICTORY konnten bei gutem Wind bis zu 10 Knoten schnell sein, im Schnitt liefen sie aber eher 5 bis 6 Knoten. Bei sehr schwacher Brise dagegen waren sie äußerst träge und gehorchten kaum noch dem Ruder. Nicht selten mußte man dann für Manöver Boote ausbringen und diese um die 3000 Tonnen Wasser verdrängenden Monster mit Ruderkraft in die neue Position schleppen. Die modernen 74-Kanonen Linienschiffe konnten den Wind schon besser nutzen, doch bei sehr schwachem Wind bewegten auch sie sich kaum noch.
In der folgenden Schilderung der Schlacht tauchen die Fregatten nur am Rande auf, weil sie am eigentlichen Kampf kaum teilnahmen. Trotzdem erfüllten sie während der Schlacht wichtige Aufgaben. Bei Trafalgar wurden diese wesentlich kleineren, dafür aber schnelleren Schiffe zum Schleppen der Linienschiffe oder Hulks (entmastet) verwendet. Außerdem brachten sie Ersatzmannschaften zu den kämpfenden Schiffen, nahmen Verwundete auf oder dienten als Ersatzbefehlsstand. Sie mischten sich zu Beginn nicht in den Kampf ein, weil bereits eine Breitseite eines Linienschiffes für ihre verhältnismäßig schwachen Verbände hätte verheerend sein können.

Die Schiffsbewegungen in der folgenden Schlacht muß man sich regelrecht in Zeitlupe vorstellen, wobei die z.T. entmasteten Schiffe in undurchdringlichen Pulverdampf gehüllt waren und so manche Gegner unbemerkt aneinander vorbei trieben. Nicht selten gerieten so Schiffe vollkommen zufällig in Zweikämpfe bzw. wurden Zweikämpfe durch die Strömung und nicht willentlich beendet. Weil die Schiffe praktisch nur zur Seite hin schießen konnten, trieb auf diese Weise der Gegner oft außerhalb des Schußwinkels. Zwischen den Gruppen kämpfender Schiffe fuhren Boote hin und her, entweder zum Schleppen von Schiffen, um Nachrichten zu überbringen oder um zur Kapitulation aufzufordern bzw. sie entgegenzunehmen. Kapitulierte ein Schiff, strich es also die Flagge, so ging ein sogenanntes Prisenkommando an Bord und nahm das Schiff, die Prise, in Besitz, während die Besatzung und die Verwundeten unter Deck mußten. Denn wer das obere Deck und die Niedergänge kontrollierte, kontrollierte das ganze Schiff.

 Historische Schiffsmodelle
Historische Schiffsmodelle
von Wolfram zu Mondfeld

Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 384 Seiten - Orbis
Erscheinungsdatum: 1. August 2003
Die Bibel für Modellbauer historischer Schiffe !

 Historische Schiffsmodelle
Historische Schiffsmodelle
von Klaus Krick

Sprache: Deutsch
Broschiert - Neckar-Verlag
Erscheinungsdatum: Februar 2003
Dieses Buch ist für Anfänger empfehlenswert.

So mancher Schiffsname könnte beim Leser für Irritation sorgen. Z.B. verfügte sowohl die französische als auch die englische Flotte über eine NEPTUNE, die Spanier über eine NEPTUNO. Es gab eine britische ACHILLES und eine französische ACHILLE, aber auch eine französische ARGONAUTE und eine spanische ARGONAUTA. In der französischen Flotte fanden sich mit der BERWICK ( 1795 von 3 französischen Fregatten gekapert und übernommen ) und der SWIFTSURE ( zuvor noch als IRRESISTIBLE in der englischen Flotte gesegelt, bis sie strandete und weggenommen wurde ) ehemalige britische Schiffe, die SPARTIATE und die TONNANT wurden von den Briten bei Aboukir erobert und dann in die Navy übernommen. Die britische SWIFTSURE wiederum sollte an ein englisches Schiff erinnern, daß einst besonders tapfer gekämpft hatte. Tragisch war das Schicksal der SANTISSIMA TRINIDAD, die den Engländern bereits 1797 bei Kap St. Vincent fast in die Hände gefallen wäre, um nun bei Trafalgar erobert zu werden.

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Die Schlacht - Kräfteverhältnisse

^ = Teil der alliierten Vorhut × = Teil der alliierten Nachhut (74) = Anzahl Kanonen

Briten - Weather Column unter Lord Nelson
Victory (100)
Temeraire (98)
Neptune (98)
Leviathan (74)
Britannia (100)
Conqueror (74)
Agamemnon (64)
Ajax (74)
Orion (74)
Minotaur (74)
Spartiate (74)
Africa (64)
Briten - Lee Column unter Collingwood
Royal Sovereign (100)
Belleisle (74)
Mars (74)
Tonnant (80)
Bellerophon (74)
Colossus (74)
Achilles (74)
Dreadnought (98)
Polyphemus (64)
Revenge (74)
Swiftsure (74)
Defiance (74)
Thunderer (74)
Defence (74)
Prince (98)
Franzosen - Reihenfolge von Norden nach Süden
Scipion (74) ^
Formidable (80) ^
Mont Blanc (74) ^
Duguay Trouin (74) ^
Heros (74) ^
Bucentaure (80)
Neptune (80)
Redoutable (74)
Indomptable (80)
Aigle (74)
Fougueux (74)
Algesiras (74) ^
Pluton (74)
Swiftsure (74) ×
Achille (74) ×
Intrepide (74) ×
Argonaute (74) ×
Berwick (74)×
Spanier - Reihenfolge von Norden nach Süden
Neptuno (80) ^
San Augustin (74) ^
Rayo (100) ^
San Francisco de Asis (74) ^
Santissima Trinidad (130)
San Justo (74) ×
San Leandro (64) ×
Montanes (74) ×
Santa Ana (112)
Principe de Asturias (112)
Monarca (74) ×
Argonauta (80)
Bahama (74) ×
San Ildefonso (74)
San Juan Nepomuceno (74)

  Die Kommandanten von Trafalgar
Die Kommandanten der Schiffe


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Die Schlacht

LEE COLUMN unter Collingwood

Um ca. 12:00 nähert sich die ROYAL SOVEREIGN unter Collingwood der Spitze der alliierten Vorhut und wird von Breitseiten der MONARCA empfangen. Collingwood stößt dennoch in eine Lücke zwischen der SANTA ANA und der FOUGUEUX, ein lebhafter Austausch von Breitseiten entwickelt sich, während Collingwoods Schiff sich langsam an die Seite der bereits schwer getroffenen SANTA ANA unter ihrem Kapitän Alava legt. Letzterer trifft Vorbereitungen, den britischen Enterversuch vorerst erfolgreich abzuwehren.

Die britische BELLEISLE durchstößt schießend die alliierten Linien zwischen der SANTA ANA und MONARCA und gerät dann mit der INDOMPTABLE zusammen. Das französische Schiff bekommt alsbald Hilfe durch die rasch aufgerückte SAN JUAN NEPOMUCENO, so daß die BELLEISLE in eine schwierige Lage gerät.

Die MARS als drittes Schiff in der Reihe wird bei der Annäherung unter heftiges Feuer von FOUGEAUX und PLUTON genommen und wird anschließend auch noch von der ALGESIRAS und MONARCA bedrängt, doch die TONNANT kommt ihr zur Hilfe und belegt ALGESIRAS und MONARCA mit wirkungsvollen Breitseiten.

Die sich nähernde BELLEROPHON nimmt zunächst ebenfalls die angeschlagene MONARCA unter Beschuß, die unter dem Eindruck des Artilleriefeuers zu beiden Seiten kurz die Flagge streicht, sie dann aber wieder setzt.

Die COLOSSUS erreicht die feuernde Linie des Gegners und setzt sich hinter das Heck der französischen SWIFTSURE. Im dicken Pulverqualm, der beginnt, das Schlachtfeld einzuhüllen, übersieht sie zunächst die ARGONAUTA auf ihrer anderen Seite. Dann aber bringt sie mit ihren Karronaden eine Seite des spanischen Schiffes innerhalb von nur wenigen Minuten fast zum Schweigen.

Die BELLEROPHON ist inzwischen an der MONARCA vorbei und liegt im dichten Rauch plötzlich neben der französischen AIGLE, auf deren Decks starke Truppenverbände stehen. Kugelhagel aus Musketen fordern auf dem britischen Schiff viele Verletze und einige Tote. Der Kapitän der BELLEROPHON, Cooke, wird von einer Kugel getötet, doch der Besatzung gelingt ein Manöver, daß das britische Linienschiff hinter das Heck des Franzosen bringt, von wo es den Gegner der Länge nach bestreicht.

Die (britische) ACHILLES trifft zuerst auf die MONTANES und verbeißt sich dann in einen stundenlangen Zweikampf mit der schon durch die COLOSSUS mitgenommenen ARGONAUTA.

WEATHER COLUMN unter Nelson

Ca. 20 Minuten nach Collingwoods erster Breitseite erreicht die VICTORY, dicht gefolgt von TEMERAIRE und der englischen NEPTUNE die feindliche Linie. Nelson sucht nach der Flagge Villeneuves, doch die BUCENTAURE ist nicht als Flaggschiff gekennzeichnet. So versucht der Engländer sich in eine Lücke zwischen der beflaggten SANTISSIMA TRINIDAD und der BUCENTAURE zu schieben, doch Admiral Cisneros auf der führenden SANTISSIMA kann durch Brassen (Rückstellen der Segel = bremsen) den Abstand zur BUCENTAURE rechtzeitig verringern.
Cisneros kann jedoch nicht verhindern, daß die VICTORY feuernd hinter dem Heck des französischen Flaggschiffes vorbeigeht. Erst jetzt - unter schwerem Beschuß - signalisiert Villeneuve Dumanoir und der Vorhut, zu wenden und setzt seine Flagge. Doch Dumanoir reagiert auf das Signal zunächst nicht, vielleicht ist er zu sehr mit der AFRICA beschäftigt, die auf ihrem Weg Richtung Zentrum an den alliierten Breitseiten der Vorhut Spießruten läuft.
Die BUCENTAURE wird von einer fürchterlichen Breitseite der VICTORY ins Heck getroffen, inbesondere eine der mächtigen 68pfündigen Karronaden auf dem Heck der VICTORY verursacht viele französische Opfer auf dem französischem Flaggschiff. Unmittelbar danach fordert der Beschuß der französischen NEPTUNE wiederum auf der nach Backbord drehenden VICTORY schwere Verluste. Zudem wird Nelsons Schiff nun von der anlaufenden REDOUTABLE angegangen.
Die VICTORY versucht vergeblich, sich an die Seite der BUCENTAURE zu legen, verfolgt von der REDOUTABLE, die mit dem englischen Flaggschiff kollidiert und sich an ihrer hinteren Seite festsetzt. Die Enterversuche vom französischen Schiff werden durch die Tatsache erschwert, daß das Deck der VICTORY viel höher ist. Intensives Musketenfeuer von der REDOUTABLE läßt den Widerstand auf der VICTORY jedoch kurzzeitig erlahmen.

Die Seeschlacht vor Kap St. Vincent
 Der schwedisch-russische Krieg 1788 - 1790

Da kommt die TEMERAIRE Nelson zur Hilfe und attackiert die REDOUBTABLE sehr wirkungsvoll an der anderen Seite, während das Artilleriefeuer der französischen NEPTUNE sich nun auf die TEMERAIRE konzentriert. Für Lord Nelson auf der VICTORY indessen kommt die Hilfe zu spät: Ein Schütze von der REDOUTABLE erkennt seine Rangabzeichen und schießt ihn nieder. Der Admiral wird tödlich verwundet unter Deck gebracht, Kapitän Thomas Hardy führt den Kampf auf der VICTORY weiter.

Die britische NEPTUNE hat inzwischen die BUCENTAURE verfolgt, die nun fast zur entmasteten SANTISSIMA aufläuft. Die CONQUEROR und LEVIATHAN haben zuvor das größte spanische Linienschiff gestellt und es schwer beschädigt. Weitere Schiffe aus der Weather Column stoßen kurzfristig zu diesem Kampf, um dann Breitseiten mit französischen und spanischen Schiffen zu tauschen, die der SANTISSIMA zur Hilfe eilen wollen. Die BRITANNIA jedoch ist schon beim ersten Anlauf von Nelsons Geschwader annähernd steuerlos aus der Linie gefallen, unter den heftigen Flüchen ihres Kapitäns Charles Bullen, der mit ansehen muß, wie er die vor ihm tobende Schlacht verpaßt, während sein Schiff fast hilflos in der Flaute dümpelt. Erst als die Schlacht schon fast entschieden ist, kann sie zur restlichen Flotte stoßen.

Inzwischen ist das ganze Schlachtfeld in dichten Rauch gehüllt, was zu kuriosen Irrtümern führt:

Die AFRICA ist glimpflich an der Vorhut der alliierten Flotte vorbeigekommen, verfolgt von den spanischen NEPTUNO und SAN AUGUSTIN, zwei der wenigen Schiffe aus der Vorhut, denen es noch gelingt, dem Zentrum zur Hilfe eilt. Kapitän Digby von der AFRICA steht schließlich mit seinem Schiff vor einer gigantischen Wolke aus Pulverdampf und glaubt, die SANTISSIMA TRINIDAD, deren Rumpf er immerhin erkennen kann, habe die Flagge gestrichen. Er schickt ein Prisenkommando zu dem spanischen Schiff, um die Kapitulation entgegenzunehmen, doch der Bootsführer wird von einem spanischen Offizier auf der SANTISSIMA äußerst höflich darüber informiert, daß man noch kämpfe. Das britische Prisenkommando muß unverrichteter Dinge an Bord der AFRICA zurückkehren, die auf der Suche nach Gegnern weitertreibt.

Währenddessen hat die NEPTUNO die AFRICA aus den Augen verloren und gerät plötzlich genau zwischen die MINOTAUR und SPARTIATE, womit ihr Schicksal in Minuten besiegelt ist. Auch die AFRICA verläßt ihr Glück im Chaos des Kampfes, denn sie trifft in einem harten Kampf mit der INTREPIDE zusammen, wobei sie schwere Verluste erleidet. Erst die Assistenz der ORION verjagt das französische Schiff und rettet die AFRICA. Der abdrehenden INTREPIDE läuft unversehens die AJAX vor den Bug, die ihr den Fluchtweg abschneidet und zum Verhängnis wird. Ganz in der Nähe unterliegt die SAN AUGUSTIN im Zweikampf mit der LEVIATHAN und wird weggenommen.

 The Naval Chronicle

The Naval Chronicle: The Contemporary Record of the Royal Navy at War,
1793-1798 (The Naval Chronicle , No 1)

von Nicholas Tracy
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe Erscheinungsdatum: Januar 1999

 Master & Commander

Master & Commander (Special Edition, 2 DVDs)
Darsteller: Russell Crowe, Paul Bettany Regie: Peter Weir
In Deutsch und Englisch, Bildformat: 2.35:1
DVD Erscheinungsdatum: 15. April 2004 , Produktion: 2003
DVD Features: Mehr als 3 Std. Bonusmaterial, Making- of- Featurette, Dokumentation 'Visuelle Effekte' Unveröffentlichte Szenen, HBO Special

Im Süden ist der Kampf zwischen der ROYAL SOVEREIGN und der SANTA ANA erbarmungslos weitergegangen, beide Schiffe haben sich zu Wracks geschossen. Nicht unerheblich zu den Schäden haben aber auch passierende Schiffe der alliierten Flotte beigetragen, die in der undurchsichtigen Pulverwolke Freund und Feind getroffen haben, z.T. sich sogar gegenseitig trafen. Am Ende jedoch hat die SANTA ANA die Flagge streichen müßen.

Die Lage der BELLEISLE wird verzweifelt, sie wird von allen Seiten beschossen, insbesondere die ACHILLE und die AIGLE setzen den Briten zu, die passierenden SAN JUSTE und SAN LEANDRO nehmen sie unter Feuer, später zielt auch noch die NEPTUNE auf das fast niedergerungene Schiff.

Auf der MARS wird Kapitän Duff getötet, auf der TONNANT Kapitän Tyler schwer verwundet. Dennoch weist die völlig entmastete TONNANT einen letzten Enterversuch von der ALGESIRAS ab und zwingt den Gegner schließlich sogar zur Aufgabe.

Die COLOSSUS, die der ARGONAUTA so zugesetzt hat, wird von der anderen Seite durch die französische SWIFTSURE and der spanischen BAHAMA angegriffen. Weil zwischen der COLOSSUS und der BAHAMA aber das französische Schiff liegt, kann der Spanier seine Artillerie wenig zum Tragen bringen. COLOSSUS schießt ihrem Namen getreu zunächst die SWIFTSURE zusammen und als der geschlagene Franzose zurückbleibt, auch noch die BAHAMA. Die ORION zwingt später die SWIFTSURE zur Kapitulation.

Die BELLEROPHON löst sich von der AIGLE und stürzt sich auf die MONARCA. Bald darauf streicht die MONARCA die Flagge. Die ACHILLES macht die ARGONAUTA vollends kampfunfähig und trifft kurz auf ihren französischen Namensvetter. Sie führt anschließend einen letztendlich siegreichen Zweikampf mit der französischen BERWICK, die bereits von einem Duell mit der DEFENCE geschwächt ist.

Die DEFENCE greift die SAN ILDEFONSO an und zwingt sie - zeitweise unterstützt von DREADNOUGHT, POLYPHEMOS und THUNDERER - zur Aufgabe.

Die PRINCIPE DE ASTURIAS , Gravinas Flaggschiff, wird nacheinander von der THUNDERER, DEFIANCE, REVENGE und PRINCE attackiert und bleibt weiter von britischen Schiffen umringt. Admiral Gravina wird ein Arm weggeschoßen, doch das Schiff kann sich vorerst halten.

Seeschlacht.tk - Schlachten und Duelle zur See von 1775 bis 1815

Die DEFIANCE stürzt sich - die PRINCIPE passierend - auf die AIGLE, entert sie und hat sie schon fast geschlagen, dann wird der Angriff noch einmal zurückgeschlagen. Die AIGLE ergibt sich schließlich nach längerem Beschuß. Der DREADNOUGHT gelingt ein relativ schneller Sieg über die schon zuvor angeschlagene SAN JUAN NEPOMUCENO, der spanische Kapitän Churruca wird tödlich verletzt.

Bei der Vorhut hat sich Dumanoir auf der FORMIDABLE mit seinem Geschwader endlich entschieden, umzukehren, doch das Manöver gestaltet sich wegen des fehlenden Windes als äußerst mühselig. Boote müßen ausgebracht werden, um den Bug der Schiffkolosse umzudrehen. Doch es gelingt am Ende nur noch der spanischen RAYO, in den zentralen Kampf einzugreifen. Als nämlich Dumanoir mit seinem Geschwader in Richtung Zentrum läuft, formieren sich die MINOTAUR, SPARTIATE, AGAMEMNON und später auch die AJAX zu einer Linie gegen den drohenden Entlastungsangriff der Alliierten.

Die FOGUEUX ist inzwischen der REDOUTABLE zur Hilfe gekommen und dabei auf die SIRIUS gestoßen. Trotzdem gelingt es dem französischen Schiff, zu dem Knäuel zwischen TEMERAIRE, REDOUTABLE und VICTORY zu stoßen. Ihrem Kapitän Baudoin erscheint die TEMERAIRE hilflos, so das er mit der Absicht, zu entern, geradewegs auf den Briten zusteuert. Doch schon die ersten Breitseiten der ausgezeichneten Kanoniere von der TEMERAIRE zeigen seinen verhängnisvollen Irrtum: Die steuerlose FOGUEUX rammt die TEMERAIRE, wird ihrerseits sofort geentert und teilt am Ende das Schicksal der REDOUTABLE : Beide müßen kapitulieren.

Villeneuves BUCENTAURE ist derweil von den Angriffen der britischen NEPTUNE schwer angeschlagen, sie wird von der LEVIATHAN und der CONQUEROR, z.T. sogar von der VICTORY beschossen und ist vollkommen isoliert. Der verzweifelte Villeneuve muß aufgeben, ein Boot von der inzwischen ebenfalls völlig zusammengeschossenen COLOSSUS empfängt seine Kapitulation. Während es um ihn herum schwerste Verluste gegeben hat, ist der französische Admiral, der die ganze Zeit an Deck war, wie durch ein Wunder unverletzt.

Auch Admiral Cisneros von der SANTISSIMA TRINIDAD, die stundenlang von mehreren britischen Schiffen umringt ist, muß schließlich die Waffen strecken, weil die Verluste so hoch sind, daß man nicht einmal mehr die noch intakten Geschütze abfeuern kann. Ohnehin ist das zu dieser Zeit größte Schiff der Welt über Wasser kaum noch als Segelschiff zu erkennen.

Um das Zentrum des Kampfes herum, in dem die VICTORY nun frei schwimmt, haben sich britische Schiffe versammelt und schützen indirekt das Flaggschiff und die eroberten Schiffe. Der Sieg der Briten zeichnet sich nun deutlich ab.

Das letzte Gefecht der GLORIOSO

Selbst die fast schon verlorene BELLEISLE wird noch durch POLYPHEMUS, DEFIANCE und SWIFTSURE aus ihrer entsetzlichen Lage befreit, sie war nahe an der Kapitulation. Churruca auf der SAN JUAN NEPUMUCENO ist inzwischen tot, die DEFIANCE hat die Kapitulation des Schiffes entgegengenommen. Kapitän Galiano auf der BAHAMA ist gefallen, die Kapitäne der MONTANES und NEPTUNO sind tot, die Verluste auf den spanischen und französischen Schiffen sind mehrfach so hoch wie bei den Briten - ein deutlicher Indikator für die überlegene britische Artillerie.

Dumanoirs anlaufende Schiffe machen schließlich gar nicht erst den Versuch, den britischen Riegel vor dem Kampfzentrum anzugreifen, der französische Vizeadmiral gibt die Schlacht verloren - sein Geschwader hat lediglich einige Breitseiten auf die AFRICA abgefeuert. Mit FORMIDABLE, SCIPION, MONT BLANC und DUGUAY TROUIN läuft er in Richtung Norden ab. Warum Dumanoir mit seinen frischen Kräften nicht angreift, bleibt unklar. Von den tatsächlichen Verhältnissen im Zentrum kann er noch gar nichts wissen, zu unübersichtlich ist die Lage für den Blick aus der Ferne. Fürchtet er den Sperriegel aus den vier britischen Schiffen, der sich vor der VICTORY gebildet hat ? Fürchtet er vielleicht den aufkommenden Sturm ? Vielleicht sieht er auch wenig Sinn darin, Villeneuve zu retten.

Kann man auch - wie manche Historiker es tun - den spanischen Kapitänen vorwerfen, sie hätten sich von ihrer geringen Achtung gegenüber dem französischen Oberkommandierenden vom Kampf abhalten lassen ? In der Schlacht selbst trifft dieser Vorwurf sicherlich nicht zu. Admiral Gravina auf der PRINCIPE DE ASTURIAS jedenfalls wird tödlich verwundet, das Schiff ist isoliert, aber die SAN JUSTO und die NEPTUNE schaffen es, bis zu Gravina zu kommen und befreien die PRINCIPE . Die Fregatte THEMIS kann Gravinas Flaggschiff abschleppen.
Gravina, trotz seiner tödlichen Verwundung noch im Kommando, gibt nun allen Schiffen, die ihm noch folgen können, das Signal zum Abbruch des Kampfes - vielleicht weil ihm gemeldet wird, das Dumanoir sich ebenfalls zurückgezogen hat. Die 11 Schiffe, die ihm bleiben - darunter Teile der Vorhut - sind z.T. sehr schwer beschädigt, für Gravina ist ein neuer Angriff ohne Dumanoirs Entlastung in jedem Fall illusorisch.

So nimmt der Rest der geschlagenen französisch-spanischen Flotte Kurs auf Cadiz. Es sind die spanischen Schiffe SAN LEANDRO, SAN JUSTO, SAN FRANCISCO DE ASIS, MONTANES, RAYO und PRINCIPE DE ASTURIAS. Die Franzosen schließen sich mit der NEPTUNE, INDOMPTABLE, PLUTON, HEROS und ARGONAUTE an.

Nelson erfährt durch seinem Kapitän Thomas Hardy noch vor seinem Tode und dem tatsächlichen Ende der Schlacht vom totalen britischen Sieg. Kurz bevor er um 16:30 stirbt, befiehlt er der Flotte noch, zu ankern, um dem drohenden Sturm zu begegnen. Das Ende des fünfstündigen Kampfes kommt mit der Explosion der ACHILLE, des einzigen Schiffes, daß durch die direkte Einwirkung der Schlacht sinkt. Die Pulverkammer des französischen Schiffes fliegt in die Luft.

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Nach der Schlacht

Die britische Flotte hatte die Schlacht gewonnen, doch schon bald gerieten die Früchte des Sieges in Gefahr. Zwar hatten die Briten 17 Linienschiffe der alliierten Flotte erobert und kein eigenes Schiff verloren, doch viele britische Schiffe waren in seeuntüchtigem, ja katastrophalem Zustand, die andere Hälfte mehr oder weniger schwer beschädigt. Während sich die ersten Anzeichen des lange erwarteten Sturmes zeigten, stand Collingwood, nach Nelsons Tod Oberkommandierender der schwer angeschlagenen britischen Flotte, vor mehreren schweren Entscheidungen. Da war immerhin der geltende Befehl Nelsons, die Schiffe zu ankern. Doch dazu hätte die beschädigte Flotte unter Land gelangen müssen. Die Briten hatten aber 17 zu Wracks geschossene Prisen und dazu noch Probleme mit den eigenen Schiffen. Zusätzlich fehlten bei vielen Schiffen nach der Schlacht schlichtweg die technischen Voraussetzungen zum Ankermanöver: Z.T. waren entweder die Anker, die Trossen, die Spills oder gleich alles auf einmal während der Schlacht weggeschossen oder beschädigt worden. Collingwood blieb eigentlich keine Wahl, er mußte weiter auf die See hinaus. Aber er hatte kaum genug Leute, die eigenen Schiffe einigermaßen gegen der Sturm zu rüsten geschweige denn die eroberten Schiffe mit tausenden von Gefangenen.

Seeschlacht in der Bucht von Abukir 1798 Seeschlacht auf der Reede von Kopenhagen 1801
 Fregattenschlacht vor Tamatave Seeschlacht vor Lissa 1811
Duell vor dem Flamborough Head   AFRICA in Not - der dänische Kanonenbootkrieg 1808

Was die alliierte Flotte, deren Überreste wenigstens den Hafen von Cadiz ansteuern konnten, nicht geschafft hatte, wäre fast dem auf die Schlacht folgenden Sturm gelungen: Er hätte die Briten vernichten können. Um 18:00 setzte Collingwood seine Flagge auf der Fregatte EURYALUS, die vorerst die entmastete ROYAL SOVEREIGN in Schlepp nahm. Dann nahm der englische Admiral den härtesten Kampf von Trafalgar auf.

Mit einigen Prisen machten die Briten kurzen Prozeß. So wurde die SAN AUGUSTIN evakuiert und dann in Brand gesteckt. Andere eroberte Schiffe versuchte man durch den Sturm zu bringen. Die Schlacht von Trafalgar wurde am Ende von der unglaublichen Arbeitsleistung englischer Seeleute während der nächsten Tage und Stunden gewonnen, die dafür sorgten, das nicht ein britisches Schiff während des Sturmes verloren ging. Doch für die Prisen blieb nicht mehr genügend Kapazität übrig, viele gingen verloren.

So auch die SANTISSIMA TRINIDAD, die von der AJAX und der REVENGE geschleppt wurde. Die Briten hatten soviele Verwundete wie möglich von Bord geholt, doch an Bord bzw. unter Deck waren noch viele Seeleute verblieben. Am 24. Oktober waren die Engländer gezwungen, die Abschlepptroßen zu kappen und die SANTISSIMA ihrem Schicksal zu überlassen. Das größte Schiff der Welt sank mit noch vielen hundert Seeleuten an Bord. Auch die REDOUTABLE, von der SWIFTSURE abgeschleppt, ging schließlich unter. Die BUCENTAURE lief wie einige andere Schiffe auch auf Strand.

Am 23. Oktober verließen die Schiffe FRANCISCO DE ASIS, MONTANES, SAN JUSTO und RAYO in einer verhängnisvollen Rettungsmission noch einmal den Hafen von Cadiz, um einige Prisen, namentlich die SANTA ANA, zurückzuerobern.Tatsächlich gelang es den Spaniern, den Briten die SANTA ANA wieder abzujagen, doch sie verloren dabei die RAYO, die von dem britischen Linienschiff DONEGAL aufgebracht und weggenommen wurde. Auch die FRANCISCO DE ASIS wurde durch den Sturm schwer beschädigt und strandete auf einem Schiffsfriedhof an der spanischen Küste unweit der SANTA ANA und in der Nähe der ebenfalls angetriebenen MONARCA und NEPTUNO.

Selbst Dumanoirs versprengtes Geschwader entkam der britischen Flotte nur kurzzeitig. Am 2. November sichteten die britischen Fregatten PHOENIX, DRYAD und BOADICEA vor Ferrol die vier entkommenen Linienschiffe und machten ein Geschwader unter Sir Richard Strachan auf den Feind aufmerksam.

 Der Kurs der PHOENIX - Entscheidung vor Kap Ortegal
Eine Schilderung u.a. von Dumanoirs Untergang vor Kap ORTEGAL

Am 4. November stellten vier Linienschiffe und vier Fregatten Dumanoirs Geschwader. Die CAESAR, die NAMUR, die COURAGEUX und Calders früheres Schiff, die HERO, machten den Sieg von Trafalgar nahezu vollkommen: Sie eroberten alle vier französischen Schiffe.

Nach fast sieben Tagen Sturm hatte die britische Flotte vor Trafalgar indessen den Kampf gegen die Elemente gewonnen, auch wenn sie viele der eroberten Schiffe an das Meer oder die Klippen verloren hatte. Die Liste der Verluste verzeichnete bei der britischen Flotte rund 400 Tote oder Vermißte und rund 1200 Verwundete. Die spanische Flotte zählte rund 1000 Tote und rund 1400 Verwundete. Frankreich verlor mehr als 3000 Mann und mehr als 1000 Seeleute wurden verwundet. Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn in den Listen der Spanier und Franzosen werden zwischen 1500 und 2000 Vermißte gar nicht erwähnt, darunter vor allem eingeschiffte Soldaten und Zivilpersonen wie z.B. Frauen oder sonstige Passagiere.

Die Gesamtzahl der spanischen und französischen Gefangenen belief sich auf 8000. Unter ihnen war auch Villeneuve, der nach England gebracht wurde. Während der gefallene Nelson in London ein Staatsbegräbnis erhielt und zur Legende wurde, kam der französische Admiral 1806 frei und begab sich auf den Weg nach Paris.

Doch Villeneuve sollte Paris nie erreichen: In einem Gasthaus bei Rennes fand er einen mysteriösen Tod. Die Vermutung, daß er durch die Hand eines Mörders fiel, vielleicht im Auftrage des französischen Kaisers, liegt nahe, denn die französische Presse hatte die Schlacht bei Trafalgar tatsächlich als einen Sieg gefeiert. Die Propaganda hatte sich sogar dazu verstiegen, zu berichten, daß Lord Nelson im Zweikampf mit Villeneuve gefallen sei.

Die Reste der französischen und spanischen Flotte in Cadiz wurden sofort wieder von den Briten blockiert. Als Spanien sich 1808 gegen das Kaiserreich Frankreich auflehnte, fielen die französischen Schiffe den Aufständischen in die Hände und wendeten sich gegen Napoleons Kaiserreich. Und das war das endgültige Ende der alliierten Flotte von Trafalgar.


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